Aatz bezieht Stellung: Handels- und Investitionsabkommen TTIP

Worum geht es bei TTIP?

Das Transatlantic-Trade-and-Investment-Partnership-Abkommen, TTIP, ist kein klassisches Freihandelsabkommen. Es geht nicht um die Abschaffung von Zöllen und Handelsschranken, weil es die zwischen Europa und den USA kaum noch gibt. Ziel ist vielmehr der Abbau von so genannten „nicht-tarifären Handelshemmnissen“. Als Handelshemmnis können die Vertragspartner alles definieren: Verbraucherschutz, Kennzeichnungspflicht, Datenschutz, Arbeitnehmerrechte.

Richtig gefährlich wird TTIP, wenn es erst einmal in Kraft ist. US-Konzerne können dann europäische Staaten verklagen, wenn deren Gesetze ihre Gewinne schmälern. Die Urteile fällen keine Richter, sondern von den Konzernen selbst ausgewählte Wirtschaftsanwälte. Schon die Drohung solcher Klagen kann reichen, um unliebsame Gesetze aus der Welt zu schaffen. Die verhängten Schadensersatzzahlungen können Staaten in den Ruin treiben.

Die Vertragsverhandlungen finden ohne Transparenz, ohne Debatte und Beteiligung der demokratisch gewählten Parlamente statt. Die Parlamente können am Schluss nur noch Ja oder Nein zu dem ganzen Vertrag sagen.

Infografik Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU

Was bedeutet der Vertrag für uns?

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU birgt viele Gefahren:

  • US-Produkte müssten nicht mehr europäische Verbraucherschutz- und Tierschutzstandards einhalten, um in der EU verkauft zu werden. Damit EU-Unternehmen dann nicht benachteiligt sind, müssten die Standards hierzulande gesenkt werden.
  • Regeln zur Bankenaufsicht und zur Zügelung der Finanzmärkte können aufgeweicht werden – und die nächste Bankenkrise wird wieder von den Bürger/innen statt von den Banken bezahlt.
  • In Europa kostet TTIP 583.000 Arbeitsplätze, in Deutschland allein gehen 134.000 Jobs verloren.
  • Wenn öffentliche Dienstleistungen als Märkte interpretiert werden, wie es die Pläne bisher vorsehen, wird eine Welle an Privatisierungen folgen.
  • IM EU-Recht wird der Status Quo festgeschrieben: Keine Chance mehr für dringend nötige Regeln gegen den Missbrauch von Antibiotika bei der Tiermast oder gegen hormonähnliche Substanzen in Alltagsgegenständen.
  • TTIP wird die Einfuhr gentechnisch veränderter Lebensmittel erleichtern und die Kennzeichnungspflicht aufweichen.
  • Im Bereich des so genannten „geistigen Eigentums“ drohen Verschärfungen: weniger Rechte für Internetnutzer, weniger preisgünstige Medikamente und ein lascher Datenschutz.
  • Investoren sollen die Möglichkeit bekommen, Staaten vor Schiedsgerichten zu verklagen, wenn sie ihre Gewinnaussichten durch demokratische Beschlüsse verletzt sehen. Auf eine solche Investitionsschutzklausel in einem anderen Abkommen beruft sich heute schon Vattenfall – und verklagt derzeit Deutschland auf 4,7 Milliarden Euro Schadensersatz für den Atomausstieg.
  • Der durch das Abkommen ausgelöste Preiskampf bei Lebensmitteln würde auf beiden Seiten des Atlantiks naturschonend wirtschaftende Bauernhöfe massenweise zur Aufgabe zwingen.
  • Die durch die EU-Chemikalienverordnung REACH vorgeschriebene Gefahrenprüfung vor der Markteinführung von Substanzen wird umgehbar: Ein Konzern müsste nur ein Produkt in den USA anbieten – und schon könnte er es auch in Europa verkaufen.

Wer verhandelt?

Die Verhandlungen finden statt zwischen der EU-Kommission, vertreten durch die Handelskommissarin Cecilia Malmström, und dem US-Handelsministerium. In der EU haben weder die Mitgliedsstaaten noch die anderen EU-Kommissare, noch gar die Abgeordneten von Europaparlament und nationalen Parlamenten Einblick in die meisten Verhandlungsdokumente. Auf massiven öffentlichen Druck hin stellt die EU-Kommission inzwischen einige ihrer Verhandlungspositionen online – allerdings weigert sich die US-Seite dasselbe zu tun.

Deshalb bleibt ungewiss, wo mögliche Kompromisslinien liegen werden. Da beide Verhandlungspartner eine „Paketlösung“ – also einen Kuhhandel – anstreben wird die EU-Kommission massive Zugeständnisse machen müssen, soll das Abkommen jemals unterschriftsreif werden.

Dagegen haben einige hundert Industrielobbyisten exklusiven Zugang und die Möglichkeit, ihre Interessen direkt in den Vertrag zu diktieren. Ziel der Verhandlungs-Elite ist es, die Verhandlungen geheim abzuschließen und den demokratisch gewählten Vertretungen der Bürger/innen dann nur noch die Wahl zwischen Zustimmung und Ablehnung zu lassen.

Warum wissen wir so wenig über die Inhalte?

Die EU-Kommission und die US-Regierung halten die wichtigsten Verhandlungsdokumente geheim. Die Verhandlungsrunden finden jeweils an geheim gehaltenen Orten statt. Auf den Pressekonferenzen nach den jeweiligen Verhandlungsrunden werden lediglich Allgemeinplätze zum Besten gegeben. Jegliche öffentliche Information bleibt äußerst vage.

Wie viele Arbeitsplätze und wie viel Wachstum bringt der Vertrag?

Die Europäische Kommission rechnet, gestützt auf eine Studie des Centre for Economic Policy Research (CEPR 2013), für das Jahr 2027 mit einem Wachstum des realen Einkommens der EU von bis zu 0,48 Prozent. Das bedeutet pro Jahr ein Wachstum von 0,048 Prozent, also unter der Nachweisgrenze. Die Kommission schließt Anpassungseffekte zwar nicht aus, gesamtwirtschaftlich sollen jedoch Beschäftigungsgewinne und Lohnzuwächse überwiegen. Schon diese positiv gefärbte Schätzung geht also von einem äußerst geringen wirtschaftlichen Nutzen in sehr ferner Zukunft aus.

Nicht berücksichtigt sind dabei mögliche negative Effekte. Diese untersucht eine Studie der Tufts University. Ergebnis: Es droht der Verlust von fast 600.000 Jobs in Europa, das Bruttoinlandsprodukt wird ebenso sinken wie die Lohnquote (der Anteil der Beschäftigten am erwirtschafteten Wohlstand). Ferner droht eine wachsende Instabilität der Finanzmärkte.

Durch TTIP droht eine Ausweitung niedrig entlohnter Beschäftigung, zunehmende Einkommensungleichheit, verschärfte Sparpolitik der öffentlichen Haushalte und eine geringere Tarifbindung. Privatisierungen, Ausgliederungen und Deregulierung vor allem im Dienstleistungsbereich können einfach genutzt werden, um Niedriglohn-Jobs zu schaffen. Weil sie anständig bezahlte Jobs mehr und mehr verdrängen, wirkt sich das auf das allgemeine Lohnniveau und damit auf die „Normalarbeitsverhältnisse“ aus.

Hat die EU-Kommission nicht transparente Verhandlungen unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft versprochen?

Dieses Versprechen ist leider eine leere Hülse. Die EU-Kommission veranstaltet einige so genannte Stakeholder Briefings, bei denen sie Vertreter/innen der Zivilgesellschaft mit Allgemeinplätzen, ausweichenden Antworten und bewusstem Verschweigen hinhält. Dem gegenüber stehen hunderte Gespräche mit Industrielobbyisten, bei denen diese unmittelbar Einfluss auf die Verhandlungstexte nehmen können.

Die EU-Kommission hat ein beratendes Kommitee eingerichtet, das die Verhandlungen begleiten soll. In ihm sollen neben sieben Industrievertretern zwei handverlesene Vertreter von Umweltschutzverbänden, zwei von Gewerkschaften, einer von Transparenz-Organisationen sitzen. Die bisher veröffentlichten Protokolle der Sitzungen zeigen, dass über Belanglosigkeiten geredet wurde, nicht über die wirklich kritischen Fragen. Und auch diesem Komitee werden voraussichtlich keine Vertragstexte zugänglich gemacht. Genauso wenig wie dem Europaparlament. Wenn Abgeordnete oder die wenigen ausgewählten Vertreter der Zivilgesellschaft Verhandlungsunterlagen sehen dürfen, dann nur in speziellen Leseräumen. Sie sind zu Stillschweigen verpflichtet, dürfen also ihr Wissen nicht mit Experten und vor allem nicht mit uns Bürger/innen teilen.

Wie ist der Zeitplan?

Die Verhandlungen wurden im Juni offiziell aufgenommen. Ziel der Verhandlungspartner ist ein schneller Abschluss, bis 2015. Der genaue Zeitplan hängt vom Fortschritt der Verhandlungen ab. Klar ist bisher nur, dass nach der Brüsseler Verhandlungsrunde im September oder Oktober wieder eine Verhandlung in Washington stattfindet.

In den USA gibt es im Vorwahlkampf unterdessen immer mehr Kandidaten, die sich kritisch zu Freihandelsabkommen äußern. Dazu gehören auch Hillary Clinton und Donald Trump.

Was passiert nach den Verhandlungen?

Das Europaparlament und die Europäischen Regierungen müssen dem Vertrag auf jeden Fall zustimmen. Strittig ist, ob der Vertrag außerdem in jedem einzelnen Mitgliedsstaat „ratifiziert“ werden muss. Die EU-Kommission möchte dieses Abkommen allein auf europäischer Ebene durchsetzen und die nationalen Parlamente außen vor lassen! Dagegen regt sich Widerstand aus den Mitgliedsstaaten – sehr zu recht. Wenn die EU-Kommission nicht einlenkt, ist eine Klage vor dem EuGH in dieser Sache wahrscheinlich.

Würde der Vertrag auch von den Mitgliedsstaaten ratifiziert, bedeutet das in der Regel, dass die Parlamente abstimmen. Möglich sind aber auch Volksentscheide in einzelnen Mitgliedsländern. Wird der Vertrag von nur einem EU-Staat nicht ratifiziert, ist er gescheitert.

In Deutschland hängt es vom Inhalt des endgültigen Vertrages ab, ob nur der Bundestag entscheidet oder auch der Bundesrat zustimmen muss.

Wie funktionieren die Konzernklagen?

In vielen Handelsverträgen gibt es mittlerweile so genannte Investitionsschutzklauseln. Sie erlauben ausländischen Konzernen, vor einem „Schiedsgericht“ zu klagen, wenn es seine Gewinnerwartung durch politische Entscheidungen eines Staates verletzt sieht. Das „Schiedsgericht“ ist kein Gericht im herkömmlichen Sinne. Es besteht ausschließlich aus ‚Wirtschaftsanwälten, die in einem Prozess die Rolle des Kläger-Anwalts, im nächsten Verfahren die Rolle des Anwalts der Beklagten, und ein anderes Mal die Rolle des Richters übernehmen. Es gibt keine Befangenheitsregeln und keine Berufungsmöglichkeit, weshalb dieses äußerst mächtge Trio Urteile im Interesse zahlungskräftiger Mandanten fällen kann!

Da nur eine Seite klagen kann (der ausländische Investor) und Staaten nicht gewinnen, sondern nur nicht verlieren können, ist das System sehr einseitig. Das zeigt sich auch in der Urteilsstatistik: Von den Klagen, die nicht aus formalen Gründen abgewiesen werden, werdensechzig Prozent zu Gunsten des Investors entschieden.

Eine exklusive Minderheit von hoch spezialisierten Rechtsexperten entscheidet über Entschädigungen in Milliardenhöhe – nur 15 Personen entscheiden mehr als die Hälfte aller Fälle. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich, noch nicht einmal die Urteile und die Klageschriften werden komplett veröffentlicht. Die beteiligten Anwälte kassieren Honorare in Millionenhöhe.

Mit TTIP verpflichten sich die unterzeichnenden Staaten zugleich die Milliarden-Entschädigungen aus den Schiedsgerichtsklagen auch durchzusetzen. Es können Währungsreserven und Staatseigentum gepfändet werden, wenn Staaten nicht bereit oder in der Lage sind, zu bezahlen.

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Klagen vor solchen Schiedsgerichten ständig an, die Summen der zugebilligten Entschädigungen wachsen ständig.  Am klagefreudigsten sind US-Investoren mit bisher 129 Klagen. Danach folgen die Niederlande mit 67, Großbritannien mit 51 und Deutschland mit 42 Klagen.

Eine neue Studie der London School of Economics hat jetzt (wie auch schon eine ältere Studie der Heinrich-Böll Stiftung) nachgewiesen, dass für Investorenklagen kein Bedarf besteht. Es gibt keine Schutzlücke für ausländische Investoren. In den von der Kommission angebrachten Fällen, bei den InvestorInnen Schwierigkeiten in den USA hatten, hätte ein Investor-Staat-Klagemechanismus auch nicht geholfen.

Früher Wintereinbruch

 

 

Insekten erfrieren nicht – Kein schädlingsfreier Sommer durch Kälte

 Einen mückenfreien Sommer beschert die derzeitige Kälteperiode den Deutschen nach Expertenauskunft leider nicht.

Insekten – nützliche wie schädliche – stecken lange Frostperioden locker weg. «Sie sind sehr hart im Nehmen. Trockene Kälte sei für ist völlig ungefährlich. In Frostperioden reduzierten Insekten ihre Körperfunktionen auf ein Minimum und fallen in eine Art Kältestarre. «Sie sind jetzt konserviert. Vorhersagen über mögliche Schädlingsplagen sind derzeit nicht möglich – dezimiert werden die Schädlinge durch die Kälte jedenfalls nicht.

Viel schlimmer für die Insekten ist mildes und feuchtes Wetter. Bei Plusgraden und Regen drohen tödliche Pilzkrankheiten, «dann verschimmeln sie».

Insekten verbringen den Winter meist als Eier, Puppen oder Larven im Boden oder unter der Rinde von Bäumen. Auch wochenlanger Frost ist für sie kein Problem. Erfrieren ist praktisch auszuschließen. Einige suchen sich im Herbst als fertig entwickelte Käfer Spalten oder Ritzen und fallen in eine Starre, bis die warme Frühlingssonne sie herauslockt. Das gilt beispielsweise für Marienkäfer. Mückeneier überleben im Schlamm auf dem Gewässer-
boden, solange dort das Wasser nicht gefriert. Wespenköniginnen suchen sich geschützte Verstecke zum Beispiel hinter Baumrinden – und bauen dann im Frühjahr wieder neue Völker auf.
borkenkaefer.jpgVom Frostspanner, einem gefürchteten Eichenschädling, überwintern die Eier, aus denen bei steigenden Temperaturen im Frühjahr Larven schlüpfen und die Knospen auffressen. Borkenkäfer (li.), die vor allem in Fichtenwäldern riesige Schäden anrichten können, verbringen den Winter als fertige Käfer unter der Rinde von Bäumen oder im Boden. Tief in den Boden verkriechen sich Engerlinge, die Larven des Maikäfers. Auch ihnen passiert bei Frost nichts.

Blattlauslöwe, arbeitet wie Aatz-königlich

Der Blattlauslöwe in Aktion: Die Larven der Florfliege saugen mit ihren Mundwerkzeugen rund 500 Blattläuse aus, bevor sie sich verpuppen. Foto: Dr. Helmut Haardt.Ihre goldglänzenden Augen haben der erwachsenen Florfliege den Spitznamen „Goldauge“ eingebracht. Foto: Dr. Helmut Haardt.
Mit dem afrikanischen Löwen sind sie zwar nicht verwandt, leisten aber Königliches im biologischen Pflanzenschutz. Blattlauslöwen sind die gefräßigen Larven der Florfliege. Bis zu 500 Blattläuse können die winzigen Jäger vertilgen, bevor sie sich verpuppen und als zartgrüne Florfliege in ein vegetarisches Erwachsenenleben starten. Unternehmen wie re-natur verkaufen die Florfliegenlarven in praktischen Kartonwaben. Die Nützlinge werden einfach über von Blattläusen befallene Pflanzen gestreut und erledigen das Schädlingsproblem vollkommen ökologisch binnen weniger Tage.

Der biologische Pflanzenschutz wird – zu Recht – immer beliebter. Er macht sich erfolgreich die Tatsache zunutze, dass auch Schädlinge natürliche Feinde haben. Nach dem Prinzip „der Stärkere gewinnt“ werden diese folgerichtig als „Nützlinge“ bezeichneten Kleinstlebewesen von Experten gezielt gezüchtet und gegen die jeweils passenden Schädlinge eingesetzt. Die Larven der Florfliege – im Volksmund als Blattlauslöwen bezeichnet – sind eine besonders effektive Spezies unter den Nützlingen. „Für mich sind Florfliegenlarven eine Art Feuerwehr. Einmal auf Blattläuse losgelassen, fressen sie auf der Stelle los und verspeisen in kürzester Zeit enorme Mengen der Schädlinge“, sagt Dr. Helmut Haardt, der beim schleswig-holsteinischen Unternehmen re-natur für die Züchtung und den Vertrieb von Nützlingen zuständig ist. Der Blattlauslöwe erlegt seine Beutetiere mithilfe hohler Zangen, mit denen er die Schädlinge packt und aussaugt. Ganz oben auf der Speisekarte der hungrigen Larven stehen Blatt-, Schmier- und Schildläuse. In der Not frisst der Löwe im Reich der Nützlinge aber auch Spinnmilben, Thripse und junge Raupen.

Die Jagdsaison der Blattlauslöwen beginnt im Frühjahr, wenn bei günstigen Temperaturen ab Mitte Mai die ersten Larven schlüpfen. Zuvor legt jede erwachsene Florfliege in der Nähe einer Blattlauskolonie bis zu 700 Eier ab. Die Kinder der Florfliege haben mit ihren filigranen Muttertieren, denen ihre großen, goldglänzenden Augen den Spitznamen “ Goldauge“ eingebracht haben, noch wenig gemein. Mit ihren flügellosen, leicht borstigen Körpern sehen die bis zu einer Größe von 8 mm heranwachsenden Larven eher aus wie Miniatur-Krokodile, denn wie Löwen. Mit letzeren verbindet sie aber ihr Heißhunger und ihr Jagdtrieb, mit dem sie sich gleich nach dem Schlüpfen auf die Suche nach ihrer Leibspeise Blattlaus machen. „Blattlauslöwen sind sehr gut für Hobbygärtner geeignet, weil sie alle Blattlausarten fressen und somit ohne eine exakte Bestimmung der Schädlinge eingesetzt werden können. Hierin unterscheiden sie sich von vielen anderen Nützlingen, die oft auf nur eine bestimmte Schädlingsart spezialisiert sind, was ihren Einsatz für Gärtner ohne entomologisches Fachwissen schwieriger macht“, sagt Helmut Haardt. Ein weiterer Vorteil der Florfliegenlarven: sie können sowohl im Innen-, als auch im Außenbereich ab einer vergleichsweise niedrigen Außentemperatur um die 10oC eingesetzt werden.

Nach etwa 14 Tagen sind der Blattlaus-Spuk und die Arbeit der Florfliegenlarven beendet. Dann verpuppen sich die Blattlauslöwen in einem kugeligen Kokon, um nach etwa einer Woche als erwachsene Florfliegen zu schlüpfen. Im Gegensatz zu ihrem Nachwuchs sind die fertigen Florfliegen Vegetarierinnen. Wie Bienen und Schmetterlinge besuchen sie Blüten und ernähren sich von Nektar, Honigtau und Blütenpollen. Im Jahr 1999 wurde das „Goldauge“ in Deutschland zum Insekt des Jahres gekürt.

Die Larven der Florfliege (Chrysoperla carnea) können als Nützlinge bei uns bestellt werden. Eine Packung mit 200 Florfliegen im fraßaktiven zweiten Larven-Stadium reicht für 40 qm Fläche.

Bestes Klima für Schädlinge

Wollige Napfschildlaus, Kastanienminiermotte, Eichenprozessionsspinner: Die Erderwärmung im Zuge des Klimawandels macht auch Bäumen in den Städten zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um Wasser. Steigende Temperaturen können bei Stadtbäumen den Schädlingsbefall erhöhen, wie Forscher der amerikanischen Universität in North Carolina in einer Studie nachgewiesen haben. In Hamburg waren das in den vergangenen Jahren vor allem die anfangs genannten Arten; die US-Forscher nahmen die Verbreitung von Schildläusen genau unter die Lupe. „Städtische Erwärmung kann zu einem höheren Aufkommen von Ungeziefer führen“, sagt die Wissenschaftlerin Emily Meineke. Dies liege an der Anpassung der Schädlinge an höhere Temperaturen.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher Weideneichen in der Stadt Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina. Dazu wählten sie bewusst Stadtteile mit unterschiedlichen Durchschnittstemperaturen aus. Die Anzahl der Schildläuse in den Weideneichen der wärmeren Bezirke sei bis zu 13-mal höher gewesen als in den kühleren Stadtregionen, berichten sie.

In einem weiteren Experiment setzten die Forscher die gesammelten Schildläuse in unterschiedlich warmen Gewächshäusern aus. Hier zeigte sich ein ähnliches Ergebnis: Von den Insekten aus wärmeren Stadtteilen überlebten in den wärmeren Gewächshäusern mehr Schildläuse als in den kälteren. Dass sich die Insekten je nach Umgebung unterschiedlich stark vermehrten, konnten die Forscher nicht feststellen. Daraus schlossen sie, das unterschiedliche Aufkommen der Schädlinge liege an den besseren Überlebenschancen der Insekten in wärmerer Umgebung.

2011 hatte es einen ersten Fund eines Eichenprozessionsspinner-Nestes gegeben, im vergangenen Jahr wurden die Tiere schon an sechs Standorten in unserer Stadt entdeckt. „Die Einwanderung erfolgte vom Südosten, in Bayern ist die Art schon ewig bekannt“.

Ähnlich ist es mit der Rosskastanienminiermotte, die wahrscheinlich per Anhalter (also auf Fahrzeugen mitgebracht) aus Mazedonien ihren Weg zu uns fand und im Sommer 2000 erstmals in großen Mengen im Hamburger Stadtgebiet zu finden war. Heute gibt es kaum noch Weißblühende Rosskastanien, deren Laub nicht von den Raupen des braun-weißen Kleinschmetterlings zerfressen (miniert) werden, wodurch sich die Blätter früher braun färben und vorzeitig von den Bäumen fallen.

„Im Obstanbau, etwa im Alten Land, macht man sich große Sorgen um das immer häufigere Auftreten der Kirschessigfliege“. Eigentlich aus Südostasien stammend, zerstört der Wärme liebende Schädling die reifenden Früchte von Kirschen, Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Pfirsichen, Pflaumen, Nektarinen, Aprikosen, Trauben und anderen Obstsorten. „Dass die Kirschessigfliege nicht auf eine Pflanze beschränkt ist, sorgt für umso größere Schäden.“

Kaltes Wetter und Schnee können den meisten Schädlingen nicht viel anhaben

Eine Zunahme von Schädlingsarten durch wärmeres Klima – bei den momentanen Temperaturen könnte man denken, dass dieses Problem sich zumindest in diesem Jahr von selbst löst und die Tiere durch den langen und kalten Winter absterben. Aber dem ist nicht so: „Solange wir eine Schneedecke haben, isoliert das wunderbar, und den Tieren passiert nichts“, sagt Gustav-Adolf Engelien, Referatsleiter Forstwirtschaft in der Hamburger Wirtschaftsbehörde.

Schädlinge, die in Knospen und der Rinde von Bäumen und Sträuchern überwintern, könnten ihren Stoffwechsel zudem so weit herunterfahren, dass ihnen Frost wenig anhaben kann. Ihnen ginge es immer dann an den Kragen, wenn die Wetterlage schwankend sei, sagt Engelien: „Wärmeres Wetter und Feuchtigkeit macht die Insekten anfällig für Pilze und lässt sie so absterben.“

Der lange Frost würde sich dennoch auf die Anzahl der Insekten auswirken, wenn auch indirekt: „Je später es warm wird, desto kürzer ist die Vegetationsperiode, in der die Tiere Nahrung finden – und desto weniger Insektengenerationen gibt es.“ Borkenkäfer seien sonst schon im März aktiv, „doch in diesem Jahr ist noch gar nichts los“, so der Forstexperte. Er rechnet mit dem Auftreten der ersten Käfer Mitte April, dann, wenn es mindestens zwölf Grad warm ist, und in diesem Jahr dann auch nur mit zwei Generationen. Gartenbesitzern können ein wenig Hoffnung schöpfen, auf ein zahlenmäßig geringeres Auftreten eines Feindes von Salat und Blumen: „Die im Herbst gelegten Eier von Nacktschnecken könnten zwar den langen Winter überstehen, die erwachsenen Tiere jedoch vielleicht nicht. Damit fiele eine weitere Eiablage nach Ende des Winters aus.“

Schabenbefall in Essen-Katernberg ist noch nicht behoben – aus lokalkompass aktuell

In einem Katernberger Wohnviertel sind Häuser von Schaben befallen, werden im Außenbereich vermehrt Ratten beob­achtet. Am Mittwoch, 16. September, befasst sich die Bezirksvertretung VI Zollverein mit dem Thema, dessen Ursache sich nach Meinung von Anwohnern noch keineswegs gebessert hat.Von einer solchen Besserung nämlich geht Oberbürgermeister Reinhard Paß in einem Antwortschreiben auf die Eingabe von Anwohnern aus. Die aber widersprechen.

„Wir hatten bereits zweimal einen Schädlingsbekämpfer hier, bald ein drittes Mal“, berichtet eine Bürgerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Solange der „Herd“ nicht beseitigt sei, werde sich das Ungeziefer immer wieder ins Umfeld ausbreiten.
Beim „Herd“ handelt es sich nach Überzeugung der Betroffenen um eine leerstehende Immobilie am Bolsterbaum. Auf dem verwilderten Grundstück standen offenbar über längere Zeit volle Müllsäcke. Erst nachdem im Juli in Nachbarhäusern Schabenbefall festgestellt worden war, kam die Vermutung auf, dass sich die Insekten unter anderem vom Müll aus verbreiten. Ein Verdacht, der sich bestätigte, als ein Anwohner die Beutel öffnete.

Bürger stellen Forderungen in der Bezirksvertretung

Mehrfach nahm man Kontakt zum Ordnungsamt und anderen Behörden auf, jedoch: „Wir werden mit dem Problem allein gelassen. Entweder heißt es, man könne nichts tun, weil es sich um Privatgrund handelt, oder es heißt, man habe etwas getan.“ Von einer Besserung sei aber nichts zu merken.
Die einzige Änderung, so berichten Betroffene, bestünde in der Tatsache, dass an der leerstehenden und angeblich in Zwangsversteigerung stehenden Immobilie nun die Läden herunter gelassen seien. Die Müllsäcke hatten Nachbarn schon in Eigeninitiative beseitigt.

Noch, so warnt eine Anwohnerin, sei ein benachbartes Familienzentrum nicht betroffen: „Sonst müsste die Stadt etwas unternehmen und könnte sich nicht darauf zurückziehen, das sei alles Privatsache.“ Ihre Forderungen wollen Betroffene heute in der Bezirksvertretung unterstreichen.

(Beitrag aus lokalkompasss essen.)

 

Was so ‚harmlos‘ wie irgendein wilder Müll ausschaut, gehört zum sogenannten Herd, von dem aus immer wieder Schaben sich ins Umfeld ausbreiten, berichten Anwohner in Katernberg.
Gleich mehrere Schabenarten wurden im Bereich Bolsterbaum gefunden.