Tierische Holzschädlinge als Holzzerstörer –

Zusammenhänge, Bestimmung und Einordnung

Jeweils nach dem Lebensraum werden die holzzerstörenden Insekten grob in zwei uns mehr oder weniger interessierende Gruppen aufgeteilt:

  • die am Frischholz lebenden und
  • die am lagernden und/oder am verbauten Trockenholz lebenden.

Auf die letzteren richtet sich im weiteren unser Interesse.

Arena der Frischholzinsekten Kampfgebiet der Trockenholzinsekten
Durch Borkenkäfer geschwächter Wald mit viel Windbruch im Harz, Am Bruchberg 800 m hoch. Foto: Rüpke
Norddeutsches Wohnhaus mit Fichtenholzdachstuhl mit Hausbockbefall. Foto: Dr.Kürsten
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Bezeichnend ist die Beziehung der Holzinsekten zum Zustand des Holzes

Ein ausgeprägtes Wahlverhalten haben fast alle Holzinsekten gegenüber dem Zustand des Holzes. Danach ergibt sich die Einteilung der Insekten in

  • primäre (befallen den gesunden lebenden Baum)
  • sekundäre (befallen geschwächtes, kränkelndes, gefälltes oder absterbendes Holz)
  • tertiäre (ernähren sich vom faulenden Holz).

Die nachstehende Tabelle von Vité erläutert diese Beziehungen:

ökologische Gruppe . . Befallsobjekt und Beziehung Zustand übliche Charakterisierung
Frischholz-
insekten
A gesunder, lebender Baum technisch und physiologisch unverändert, Hydratur ungeschwächt Primär-
insekten i.e.S.
(Primäre Insekten)
B kränkelndes oder frisch gefälltes Holz Holz mechanisch und chemisch unverändert Sekundär-
insekten i.e.S.
(Sekundäre Insekten)
Trockenholz-
insekten
C trocknendes oder trockenes berindetes Holz Holz fest, wenig frisch bis trocken stark sekundäre Insekten
D trockenes Werkholz Holz fest und trocken stark sekundäre Insekten
Feuchtholz-
insekten
E feuchtes Holz, beginnende Fäulnis Holz noch fest, Rinde gelockert, feucht stark sekundäre Insekten
Faulholz-
insekten
F faulendes Holz Holz in Zersetzung, feucht bis nass, Rinde abfallend Faulholz-
insekten i.e.S.
(Tertiäre Insekten)
G vermoderndes Holz Holzsubstanz zerfallend, nass Mulm- oder Moderfresser
Qu.: Jean Pierre Vité, Die holzzerstörenden Insekten Mitteleuropas, Göttingen, 1952
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Befallsfolgen technischer Holzschädlinge an Nadelholz

Holzinsekten im Kaminholz – gefährlich für das ganze Haus? Nein !

Frischholzinsekten sind an Frischholz gebunden. Diese einfache Wahrheit beantwortet eine der meist gestellten Fragen: Sind Frischholzinsekten am Brennholz eine Gefahr für das verbaute Holz im Haus? In der Regel: Nein !

Wenn Frischholzinsekten nach der Verarbeitung des gefällten Holzes vereinzelt noch im Werkholz enthalten sind, wird die im verbauten Holz enthaltene Generation das Holz zwar noch verlassen, eine weitere Entwicklung am verbauten Holz ist jedoch auszuschließen. Konkret betrifft dies im Werkholz übersehene Holzwespen oder mitverbauter Befall durch Scheibenböcke am (teil)berindeten Holz (Holz mit Baumkante).

Die folgende Tabelle ist der Versuch, diese Befallsfolgen am Nadelholz darzustellen:

Holz-
zustand
saftfrisch
Baum A primär
– Fichtenböcke
B sekundär
– Schneider-/
– Schusterbock
– Holzwespen
verbaut (innen) lufttrocken verbaut (außen) sekundär feucht
Holz berindet

(i.d.R. lagerndes Holz)
B sekundär
– Schneider-/
– Schusterbock
– Holzwespen
– Linierter Nutzholz
borkenkäfer )*
– Blauer Scheibenbock
– Grubenhals-
böcke
C mit Rinde – weicher Nagekäfer F mit Erd-kontakt – Mulmbock
– Rothalsbock
– Grubenholz
käfer
Holz ohne Rinde

(i.d.R. lagerndes Holz)
. – Holzwespen
– Linierter Nutzholz
borkenkäfer
D ohne Rinde – Hausbock-
käfer
– Gewöhnlicher
Nagekäfer
– Trotzkopf
G
⇒ nach Übergang zum Holzzustand C oder Dohne Wiederbefall
)* Ausnahme: Wiederbefall möglich
im Bereich C und D erfolgt Wiederbefall (erneute Eiablage: “ Ortstreue „)
zusammengestellt nach: Vité, Die holzzerstörenden Insekten Mitteleuropas und Vorlesungsskipt Ordinariat für Holzbiologie, Noldt, 2005

Am Laubholz ergeben sich logischerweise wegen anderer auftretender Insektenarten andere Verhältnisse und Beziehungen.

Das Schadbild sekundärer Frischholzinsekten am teilweise berindeten Stamm (Baumkanten) und das der sekundären Trockenholzinsekten muß man zu unterscheiden wissen. Die Beziehungen holzzerstörender Insekten zum Holz und die resultierenden möglichen (oder nicht möglichen) Befallsfolgen zu kennen, ist hierzu nötig. Denn es ist die Frage „sind Maßnahmen erforderlich?“ sicher abzuklären. Hier kommt es in der Praxis oft zu Fehlinterpretationen mit der Folge unnützer Bekämpfungsmaßnahmen „an historischen Schadbildern“ zu Lasten fremder Geldbeutel.

 

veränderlihcer scheibenbock hakengang Eichenwidderbock, Gemeiner Nagekäfer, Eiche
Nahaufnahme zwischen Rinde und Splintholz: Hier die Fraßspuren der Scheibenböcke. Sie sind reine Frischholzinsekten und an berindetes Holz gebunden. In den zur Verpuppung angelegten Hakengang zeigt eine eingesteckte Nadel die geringe Tiefe im Holz.
Foto: Rüpke
Holzinsekten am Konstruktionsholz, hier am Fachwerkstiel aus Stiel-/Traubeneiche – links ist es ein Befall des ortstreuen Gemeinen Nagekäfers im Splintholz, rechts sind es die historischen Reste eines sekundären Frischholzinsektes dem Eichenwidderbock. Foto: Rüpke

 

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Die Holzschädlinge mit wirtschaftlicher Bedeutung

Nicht jedes Holzinsekt richtet Schäden von wirtschaftlicher Bedeutung an. Manches kann man als unwesentlich ruhig übersehen. Daher konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Holzinsekten, die erhebliche Schäden anrichten können und deshalb ins Visier geraten, weil sie die Standsicherheit der tragenden Holzbauteile gefährden. Andere Holzinsekten zerstören Kulturgüter. Die Aufmerksamkeit für Holzinsekten orientiert sich nach deren Angriffen auf menschliche Besitztümer.

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Wer frißt denn da ?

Die Bestimmung und Einordnung der holzzerstörenden Insektenart wird makroskopisch und mikroskopisch nach Erfahrung und Wissen und/oder nach Bestimmungsschlüsseln

  • anhand von im Holz freigesetzten Larven und Puppen oder
  • anhand vorgefundener ausgeschlüpfter Vollinsekten

möglich. Das ist n.a. der erste Arbeitsschritt eines „Sachverständigen für Holzschutz am Bau“.

Mangels Larven und Insekten wird das unmöglich, sodass eine Bestimmung nach dem vorgefundenen Schadbild vorzunehmen wäre. Im Einzelfall kann das Schadbild allein nicht ausreichend sein, was die Einbindung weiterer Merkmale und örtlicher Bedingungen erfordert. Dies wird oft nötig, um die sich hierbei mitstellende Frage zu klären: „Ist es ein (aktiver) Befall, oder liegt nur der (inaktive) Schaden (danach) vor“? Danach entscheidet sich alles andere an nötigen Maßnahmen.

Ein anderes, sicheres Indiz für einen Befall kann der frische Nagselausstoß an Ausschlupflöchern geben. Die Verursacher sind jedoch nicht die holzzerstörenden Larven, sondern räuberische Insekten , die ihnen nachstellen. Dies ist ein sicherer Beleg für die Anwesenheit holzzerstörender Larven! Dieser Nagselausstoß der Räuber enthält stets Kotteilchen, während die Holzzerstörer beim Herstellen der Ausschlupflöcher keinen Kot mehr abgeben, weil die Larven vor und nach der Verpuppung nicht mehr

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fressen. Verwirrung kann ein Nagselrieseln nach Erschütterungen stiften.

 

Insektenzuordnung nach Schadbild „Ausschlupfloch“ in Blickrichtung auf wirtschaftlich bedeutende Insektenarten
 

Loch = oval

 

 

Loch = kreisrund

 

 

(teil)
-berindet

 

 

unberindet

 

 

berindet
(i.d.R. lagerndes Holz)

 

 

unberindet

 

 

3-5 * 5-7mm
oft schräg zur Faser, an Laub- und Nadelholz, PlatzfraßScheiben-
böcke

 

 

2-3mm
im Splint- und Kernholz
Gewöhn-
licher Werft-

käfer

 

2mm
Nadelholz Kot: „Krapfen mit Zucker“, „Pfeffer- und Salz
-gemisch“Weicher Nagekäfer

.
 

Feucht-
holz
(>30%)

 

Trockenholz
(i.d.R. verbautes Holz)

 

feuchteres Holz
(>16%)
(i.d.R. verbautes Holz)

 

Trockenholz
(i.d.R. verbautes Holz)

Laubholz Nadelholz

Laubholz

Nadelholz

Laubholz

Nadelholz

Laubholz Nadelholz
(>14 %)

Laubholz

Nadelholz

♀10-15mm♂20-30mm Holz mit Erd
-kontakt
Kot: WalzenMulmbock

4x7mm
an Import-
holz aus südl. Ländern, sonst wie Hausbock
Asch-
grauer Abend
-bock
Hespero-
phanes

)*

♀5-7mm♂7-10mm
nur im Splintholz,
Platzfraß
Kot: walzen-
förmig, L= ca.1mmHausbock

3-4mm
Nagsel:
lose
Holz: pilz-
befallen, Holzart: Eiche Kotform: linsen-
förmigBunter Nage-
käfer
)*

5-7mm
Holz: nass und meist pilz-
befallen
Kot: walzen-
förmig, Enden ab
-gerundetRothals-
bock

1-2mm
Nagsel:
fein, nicht staubend, meist im Splint, Kotform: ReiskornGemeiner Nagekäfer

0,8-2mm
nicht nur an Import-
holz Nagsel:
Puder wie Talkum fest verstopft,
Splint-
holzkäfer
)***

4-7mm
Nagsel:
grob, fest verstopftHolz-
wespen
)**

. .

8x14mm
im Splint und Kernholz
Holz mit Erd-
kontaktGruben-
halsbock

.

2-3mm Holz: nass-faul oder pilz
-befallen
Kot: strang- bis trog–
förmigTrotzkopf
)*

.

1-1,5mm
im Laubholz Gänge fest verstopft
Kot: reisförmig nur eine Spitze Ge-
kämmter Nagekäfer

.
  • rot: wirtschaftlich bedeutender Holzschädling
    )* als Indikator eines Pilzschadens unbedingt wichtig
    )** der wirtschaftlich bedeutsame Schaden folgt aus unbemerkter Zerstörung jeglicher Arten von Sperrschichten an Dach oder Dämmung (ist jedoch nur in den ersten 3 Jahren nach Neubau zu erwarten)
    )*** ursprünglich nur an Importholz eingeschleppt, seit ca. 100 Jahren beginnen die Arten hier heimisch zu werden
  • blau: am verbauten Holz ohne, oder ohne große Bedeutung
    )*
    in nordeuropäischen Ländern nicht heimisch, hat daher kaum Bedeutung

An dem Bestimmungsgang nach dem Schadbild wird schnell deutlich: am Bau interessiert eigentlich

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hauptsächlich das verbaute Holz, also das „Trockenholz“ und deren Schädlinge. Der Frischholzbereich (auch feuchtes Totholz) erhält auch Beachtung, ist aber nebensächlich.

Am Holz zeigen sich nach Befeuchtungen auch Zusammenhänge von Insektenbefall und Pilzbefall. Dies wird wichtig für die Beurteilung von Merkmalen holzzerstörender Insekten an der Baukonstruktion, weil der Pilzbefall bereits lange vor dem Insektenbefall schon schadträchtig gewirkt haben kann (siehe unten: Bunter Nagekäfer).

Nicht ein jeder Befall ist in seiner Ursache und damit in den wirtschaftlichen Auswirkungen gleich und einfach feststellbar. Zunächst die genaue Artbestimmung der tätigen Schädlinge hilft daher stets den Blickwinkel zu öffnen für weitere, noch nicht erkennbare Zusammenhänge sowie deren Ursächlichkeit. Um so sicherer werden die nötigen Folgemaßnahmen erkannt.

Ein ganzheitliches Herangehen schont am Ende den Geldbeutel des Bauherrn am ehesten – leider wird dies selten gleich gesehen (Lehrgeld).

 

Einige holzzerstörende Insekten, die in kränkelnden Bäumen oder auch an lagerndem Holz vorkommen
davon im Laubholz: davon im Nadelholz:
Gestreifter Nutzholzborkenkäfer, Trypodendron lineatus
Großer Pappelbock, Saperda cacharias
Großer Eichenbock, Cerambyx cerdo
Weidenbohrer, Cossus cossus
Blausieb, Zeuzera pyrina
Erlenrüßler, Cryptorhynchos lapathi
Laubnutzholzborkenkäfer, Xyloterus domesticus
Eichennutzholzborkenkäfer, Xyloterus signatus
Kleiner schwarzer Wurm, Xyleborus monographus
Ungleicher Holzbohrer, Xyleborus dispar
Gestreifter Nutzholzborkenkäfer, Trypodendron lineatus
Gewöhnlicher Werftkäfer, Hylecoetus dermestoides
Schiffswerftkäfer, Lymexylon navale
Fichtenbock, Tetropium luridum
Lärchenbock, Tetropium gabrieli
Roßameise, Camponotus herculeanus
Riesenholzwespe, Sirex gigas
Blaue Kiefernholzwespe, Sirex juvencus
Bäckerbock, Monochamus galloprovincialis
Die kursiv gedruckten Arten spielen besonders bei die Güteklasseneinteilung eine Rolle.
aus: Vorlesungsskript Forstnutzung FH Eberswalde Prof. Dr. Heinz Frommhold

 

Ernährungsverhalten von Hausbock, Anobien und Lyctus (powderpost beetle)
Hausbock und
Anobien
zermahlen Holz und verwerten Zellulose, Hemizellulose und z.T. auch Lignin, die sie enzymatisch in Zucker zerlegen. Das ermöglicht ihnen den Befall verschiedenster Holzarten, verlangsamt aber wegen dieser relativ schlechten Nahrungsqualität ihre Entwicklung.
Lyctus kann nicht von Zellulose leben, sondern ist auf relativ stärkereiche Parenchymzellen und Markstrahlen angewiesen, wie sie vor allem im frischen Laub(splint)holz vorkommen.
Qu.: W.R. Robinson, 1996: Urban Entomology – Insect and mite pests in the human environment. Chapman & Hall, 430 S.
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Draußen vom Walde komm ich her – im Schlepptau vom Bauen zum Wohnen

home weitere Links zum Thema Gift im Holz
Giftbelastung für Tiere durch frisch verbautes Holz im Stall
Gesundheitliche Gefahren bei der Holzverarbeitung

Genau wie die Pilze sind auch die Insekten wichtige Glieder des Nährstoffkreislaufs der Natur. Sie bewahren die Erde davor, an dem reichlich heranwachsenden Pflanzenmaterial zu ersticken. Manche Insektenarten versuchen sich schon an lebende Bäume heranzumachen, besonders an die „wehrlosen“ Blätter und Nadeln.

Ein gesunder Baum bildet Abwehrstoffe in vielfältiger Form. Fraßgifte (z.B. Tannin, Robinin) oder leicht flüchtige Geruchsstoffe (z.B. ätherische Öle, Terpene), die die Insekten fernhalten aber auch Wirbeltieren den Geschmack verderben.

Riesenholzwespe , Sirex gigas, hinten ist eine lange Legeröhre – kein gefährlicher Stachel…
Foto aus: Cap Habitat France.
Im Sägewerk angeschnittene Gänge der Holzwespe und deren rundes Ausflugsloch nach Einbau
Foto aus: Cap Habitat France.

Sobald ein Baum eine Rindenverletzung aufweist, durch Trockenheit kränkelt oder gar gefällt ist, geht es richtig los: Von allen Seiten kommen sie geflogen und gekrabbelt und legen ihre Eier unter der Rinde und im Holz ab.

Die ausschlüpfenden Larven fressen sich dann durch das Holz und kommen, wie z.B. die öfters auftretenden Arten derHolzwespen (Siricidae) , manchmal erst wieder zum Vorschein, wenn das Holz verarbeitet und am Haus verbaut ist.

Hierbei kann es in den ersten 3 Jahren am Neubau zu folgenschweren Schäden kommen, weil sich z.B. die Sirex juvencus durch alle Arten von Dampfsperren und auch durch jegliche Art von Dichtungen bis hin zu Zinkblechen und Bleiabdichtungen durchfrisst. An hochgedämmten Energiesparhäusern oder Passivhäusern sowie an vielen Flachdachkonstruktionen können so Durchfeuchtungen entstehen, die umfangreiche Erneuerungen nach sich ziehen werden, weil die Lokalisierung der kleinen Löcher oft unmöglich ist.

Brauner Fichtenbock,Tetropium fuscum, Länge ca. 12 mm, eingeschleppt mit dem Fichtenbauholz und im beheizten Neubau im April ausgeschlüpft. Foto: Rüpke

Am Neubau mit verbauten Nadelholz meist bei Kiefer stiftet zuweilen auch der Düsterbock , Asemum striatum Unruhe. Er gehört zu den Bockkäfern und wird, wie auch die nachfolgenden Scheibenböcke oder der nebenabgebildete Fichtenbock mit dem Holz eingeschleppt. Wir hatten 2007 einen Fall, wo im Neubau eingeschleppte Düsterböcke (während des warmen Innenausbaus) unplanmäßig im Januar-Februar ausschlüften.

Auch der Grubenhalsbock (Halsgrubenbock) Criocephalus rusticustritt gelegentlich an an „frisch“ erbauten Holzkonstruktionen auf.

Wie schon erwähnt, ist die Befallsentwicklung nach der natürlichen Trocknung abklingend, ein Wiederbefall des verbauten Holzes durch diese „Frischholzinsekten“ ist danach ausgeschlossen. Eine Entwicklung ist meist an berindetes Holz gebunden. Bauschnittholz hat keine Rinde mehr.

Das gilt auch für andere gelegentlich an Holz mit Baumkante (teilberindet) mitverbaute Scheibenböcke, z.B. der Blaue Scheibenbock oder der Veränderliche Scheibenbock , deren Schad- bzw. Fraßbild im folgenden gezeigt wird:

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scheibenbock fraßbild
scheibenbock fraßbild
links: abgeklappte Rinde und Holzoberfläche als Spiegelbilder. rechts der typische Platzfraß der Larven an den obersten Splintholzschichten. Die Nadel markiert den zur Verpuppung angelegten, nur kurzen Hakengang ins tiefere Holz. Foto: Rüpke
 

scheibenbock fraßbild
links: Veränderlicher Scheibenbock, Phymatodes testaceus. Die Farbe ist, bei den Bockkäfern typisch, oft sehr variabel. Foto:  Parisek
rechts: Phymatodes testaceus im Detail. Foto Rüpke

 

 

Weil das Holz nach der Fällung schnell austrocknet und die Rindenkante bald lockert und abfällt klingt ein Scheibenbockbefall sehr schnell ab. Auch hier ist ein Wiederbefall am verbauten Holzes nicht mehr möglich.

Viele Insekten sind Kulturfolger geworden und wirken in unserem relativ trockenen häuslichen Umfeld als u.U.

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gefährliche Holzzerstörer.

Wichtige holzzerstörende Insekten im trockenen Holz (Trockenholzinsekten)
im trockenen Nadelholz (12%), nur im Splintholz, zeitweise bei geringen Holzfeuchten bis zu 8% Laubholz (außer Buche), nur im Splintholz, bei geringen Holzfeuchten bis unter 8%
als heimisches Insekt: der Hausbock,Hylotrupes bajalus als aus den Tropen eingeschleppte Insekten, die Lyctusarten, häufig der Braune Splintholzkäfer, Lyctus brunneus und der Parkettkäfer, Lyctus linearis

Allerdings haben holzzerstörende Insekten dabei gewisse Mindestansprüche an die Holzfeuchte:
In Räumen mit Zentralheizung enthält das Holz weniger als 10% Wasser. Hier kann der bekannte „Holzwurm“ – das ist der Gemeine Nagekäfer , Anobium punctatum (De Geer, 1774) , der zu der Familie der Nagekäfer, Anobiidae gehört – nicht überleben. Der gewöhnlichen Nagekäfer frißt am liebsten im äußeren Splintbereich, der (besonders nach der technischen Trocknung) am stickstoffreichsten ist.

Auch der noch gefährlichere Hausbock , Hylotrupes bajulus (Linnaeus 1758), ist bei dieser geringen Holzfeuchte weit von seinem Optimum entfernt, obwohl gerade er auch längere Trockenphasen heil überstehen und eben unterm Dachstuhl gut überleben kann. Zum Hausbock schreibt W.R. Robinson 1996, daß die Larven im Holz ein Pheromon mit ihren Kot verbreiten, dass bei geringem Befall in entsprechend geringer Dosis Weibchen zur Ablage von Eiern dort anregt. Bei stärkerem Befall wirkt die entsprechend hohe Pheromondosis dann aber abschreckend und begrenzt den Befall. Die Weibchen fliegen dann u.U. über größere Strecken zu anderem Holz.

 

Die dem Engerling ähnllich sehende, weißgelbe Larve einesHausbockkäfers, Hylotrupes bajulus . Larvenlänge: mas. 15-25 mm, fem. 25-30 mm, der Kot ist unter der Lupe deutlich walzenförmig. Foto aus: Cap Habitat France.
Der Hausbock, Hylotrupes bajulus :
Körperlänge: mas. 17-18 mm, fem. 12-14 mm,
ovales Flugloch 5-7-10 mm.
Das schöne Foto ist von der Groupe National FPH, France

Die einzigen Insekten, vor denen man sich in seinem Wohnzimmer in Acht nehmen muss, sind die aus tropischen Regionen stammenden Splintholzkäfer (Lyctidae) : der Braune Splintholzkäfer , Lyctus brunneus (Stephens 1830) , oder der mittlerweile schon lange heimisch gewordene Parkettkäfer , Lyctus

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linearis (Goeze 1777) . Besondere Obacht ist bei diesen reinen Trockenholzinsekten dann gefordert, wenn man sie als infizierte Holzprodukte einkauft. Sie können sich rasend schnell auf viele andere verbaute Laubsplinthölzer ausbreiten. Die Buche ist immun.

Bei Lyctus (brunneus) z.B. muß die Eiablage in die großen Tracheen des Laubsplintholzes erfolgen. Die Larven leben dann vom nährstoffreichen Zellinhalt und verpuppen sich für 2 bis 4 Wochen knapp unter der Holzoberfläche. Die sich ausbohrenden Käfer arbeiten sich ggfs. auch durch auf dem Holz aufliegendes Leder, Blei- oder Silberabdeckungen oder Putz. Kurz nach dem Schlüpfen paaren sich die Käfer und die Weibchen legen neue Eier. Dazu brauchen sie die besagten offenen Laubholztracheen oder nehmen notfalls auch Ausschlupflöcher (Robinson, 1996).

 

Brauner Splintholzkäfer, Lyctus brunneus, in Auf- und Untersicht. Foto: Rüpke
Brauner Splintholzkäfer, Lyctus brunneus , die Larve in Untersicht. Foto: Rüpke
Parkettkäfer, Lyctus linearis , die Antennen Foto: Rüpke
Parkettkäfer, Lyctus linearis, in Seitenansicht Foto: Rüpke

Dabei ist in der Praxis zu prüfen, ob bei einer Bestimmung nicht eine mögliche Verwechslung z.B. mit dem rotbraunen Reismehlkäfer, Tribolium castaneum, einem häufigen Vorratsschädling, vorliegt.

An Frühsommertagen sind viele Arten von Bockkäfern unterwegs, die aber verbautem oder lagerndem Holz weniger anhaben können. Sie sind weniger auf trockenes Holz, als auf Frischholz oder feucht vermoderndes Totholz als Nahrungsquelle aus. Häufig begnet man dem heimischen Rothalsbock ,Leptura rubra (Linnaeus 1758). Fast gar nicht mehr anzutreffen ist der aussterbende Eichenbock ,Cerambyx cerdo (innaeus, 1758). Häufig entdeckt man sie im zuhause lagernden Brennholz. Dort bringen sie zuweilen etwas Unruhe ins Haus. Das ist jedoch (s.o.) unangebracht.

Das Werk des Bunten Nagekäfers an einem Fachwerkstiel aus Eiche: blättchenartig stehen blieb nur das Spätholz. Da schon ein Pilzbefall voran ging, ist hier nichts mehr zu machen – Totalschaden ! Fotos: Rüpke

Ein besonderer Spezialist ist derBunte oder Gescheckte Nagekäfer ,Xestobium rufovillosum (De Geer 1774), der als treuer Helfer dem Sachverständigen für Holzschutz meist auf einen vorangegangenen Pilzbefall aufmerksam macht.

Als Pilzfolger nutzt der Bunte Nagekäfer das zuvor von holzzerstörenden Pilzen aufbereitete Holz, überwiegend findet er sich in heimischen Gefilden an dem Konstruktionsholz der Eiche, also am Fachwerk. Er ist aber auch an Nadelholz zu finden.

Wird der Bunte Nagekäfer angetroffen, ist die Zeit für das betroffene Bauteil bereits abgelaufen. Das Bauteil ist für den Zimmermann gestorben. Daher ist die Bezeichnung „Totenuhr“ gar nicht so mystisch verklärt, sondern paßt haargenau mit den Gegebenheiten an der Baukonstruktion überein.

 

Gekämmter Nagekäfer, Ptilinus pectinicornis Foto: Rüpke

 

Überwiegend ist das betroffene Kernholz bereits zuvor vom Pilz zerstört, sodass eine Bekämfung an einem sonst genutzten Gebäude nicht mehr sinnvoll ist.

Nicht mehr tragend, muss das Holz sowieso ausgewechselt werden.

An den Pilzbefall angrenzende Bereiche und im gesunden Splintholz (oder im Randbereich) kann der Bunte Nagekäfer noch längere Zeit aktiv bleiben; dort muss er dann bekämpft werden.

Nur scheinbar sind ungenutzte Gebäude mehr betroffen. Die dort höheren Holzfeuchten bedingen Pilzbefall und im Schlepptau folgt der Bunte Nagekäfer.

Dieser Käfer hat schon viele der Balken von Westminster Hall (gebaut 1394) und der Schlosses in Versailles zerstört.

Der Gekämmte Nagekäfer , Ptilinus pectinicornis ist am heimischen Laubholz zu finden. Er ist in der Befallsweise an eine höhere Holzfeuchte gebunden: Gern bevorzugt er die eigenen Schlupflöcher zur Eiablage Die Schäden sind meist lokal begrenzt, dort aber recht intensiv. Es kommt gelegentlich zu Massenbefall. Vitè beschrieb 1952, daß sein bis dahin recht seltenes Vorkommen im Zunehmen begriffen ist.zum Textanfang

 

Lebensbedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte der technisch und wirtschaftlich gesehen wichtigsten holzzerstörenden Insekten am verbauten Holz (Trockenholzinsekten)
deutscher Name,
wissenschaftlicher Name
Temperatur °C
normal/
optimal
Holzfeuchte %
normal/
optimal
Abtötungswerte
°C/ min.
H ausbock, (Holzbock)
Hylotrupes bajulus (L.)
12 – 38
28 – 30
8 – 65
28 – 30 (1
55 / 60
(1 das Optimum wird aber – übers Jahr gesehen – selten erreicht.
Im Mittel beträgt die Holzfeuchte rd. 12 %.
Gewöhnlicher Nagekäfer, gemeiner Nagekäfer
Anobium punctatum (De Geer)
15 – 28
22 – 24
12 – 48
30 )2
51 / 60
)2 Fasersättigungsfeuchte
Bunter- /Gescheckter Nagekäfer
Xestobium rufovillosum
15 – 28
22 – 25
ab 25 )3
18 – 25 )4
18 – 20 )5
)3 Sutter, )4 Noldt, )5 Vité
Brauner Splintholzkäfer
Lyctus brunneus (Steph.)u.a. Lyctusarten
7 – 30
26 – 27
7 – 30
15
ältere Angaben 55/60 sind vermutlich falsch, siehe Anmerkung
Anmerkung: Abtötungswerte Temperatur und Zeit sind abhängig von rel.Luftfeuchte, Holzfeuchte und Materialstärken (25-100mm) 50-60°C / 4-15h (siehe hierzu Hinweise von TRADA (Timer Research And Development Association) „Kiln treatment für sterilisation of insect-infested timber“)
zusammengestellt nach: Grosser, Pflanzliche und tierische Bau- und Werkholz-Schädlinge, DRW-Verlag, München, 1984; Langendorf, Holzschutz, VEB Fachbuchverlag, Leipzig, 1988; Sutter, Holzschädlinge an Kulturgütern erkennen ud bekämpfen, Haupt, Bern, 1986; Vité, Die holzzerstörenden Insekten Mitteleuropas, Musterschmidt, Göttingen, 1952 sowie Rafalski, Sachkundeseminar Bekämpfender Holzschutz, DHBV-Akademie KleinMachnow, 1998.

Die Flugzeiten und Lebenszyklen der technisch und wirtschaftlich wichtigsten holzzerstörenden Insekten am verbauten Holz (Trockenholzinsekten) haben wir auf einer besonderen Tabellezusammengestellt.

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Illegale Einwanderer

„Wohnst Du noch oder bohrst Du schon…“ Entstammt einem importierten Möbelstück, ein Bohrkäfer, Heterobostrychus sp . (Fund 2006) Foto: Rüpke
Gerade ausgeschlüpft , Sinoxylon sp . aus beschichteter Abachileiste. Import aus Ghana (Fund 2007). Foto: Rüpke
Mitbringsel (2005) dem südlichen Adrika: Apate terebrans , stattlich: 25 mm groß.(hier ausgeschlüpft 2007). Foto: Rüpke
Mit zwei markanten Hörnern, ca. 15mm lang – Bostrychoplites cornutus aus dem südlichen Afrika (Fund 2006). Foto: Rüpke
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Gefährliche Holzzerstörer im Urlaubsgepäck
eingeschleppt: der Asiatischer Laubholz-Bockkäfer
„Schadorganismen“ Regelungen im Handel

Immer wieder gibt es neu eingeschleppte Holzzerstörer. So werden unsere Wälder und Straßenbäume überraschend akut bedroht. Der Asiatische Laubholz-Bockkäfer , Anoplophora glabripennis (Motschulsky ) ist bereits an zwei Stellen in Europa aufgefunden worden: in Deutschland und in Österreich. Der drei cm große Käfer mit den auffälligen weißen Punkten frisst im Holz von Ahorn, Rosskastanie, aber auch Pappeln und anderem Weichholz und kann die Bäume zum Absterben bringen. Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig befürchtet, dass der gefährliche Schädling wiederholt eingeschleppt wird und sich ausbreitet, weil entsprechende Grenzkontrollen hierfür unzureichend sind.

Mitreisende in Volkskunst aus Holz

Ein Bockkäfer aus den wärmeren Gefilden, kommt gern als Mitreisender in Touristenmitbringseln ins häusliche Wohnzimmer: der Bambusbock , Chlorophorus annularis (Farbricius 1787). Er zerlegt das harte Bambusholz ohne Mühe, auch schon zum Schrecken großer Möbelmärkte. (…oder lebst Du schon?)

Dass die Urlaubserinnerung noch Jahre nach der Heimkehr wach bleibt, dafür sorgen unfreiwillig in Mitbringseln eingeschleppte Insekten, wie z.B.Heterobostrychus sp . und Sinoxylon sp .. Es sind verschiedene Bohrkäfer, die bei uns als Neozoen auftreten, d.h. sie werden erst mit- und dann eingeschleppt.

Sie kommen aber auch an aus Asien importierten Möbeln vor. Diese Bohrkäfer sind emsige holzzerstörende Insekten und daher fallen ihre angerichteten Schäden schnell ins Auge. Insekten reisen ziel- und zügellos um die Welt – der globale Massentourismus macht`s möglich! So ist H. aequalis in Südostasien, neuerdings aber auch in Nordwestaustralien verbreitet.

Überraschungen in Form holzzerstörender Insekten finden sich z.B. in Skulpturen, die Urlauber aus Afrika mitbringen. Fast vergessen, kommt es nach 1 -2 Jahren kommt es zum Aussschlupf, wie wir es mit dem Apate terebrans gerade selbst beobachten konnten.

Aus dem südlichen Afrikan, verpackt in Volkskunst aus Holz, findet der Bostrychoplites cornutus den Weg bis ins heimische Wohnzimmer, wo er dann beim irgendwann Holzzerlegen ertappt wird.

Klimatisierte Gepäckräume innerhalb der Druckkabine in Flugzeugen ermöglichen es heute Insekten, komfortabel und sicher um die Welt zu reisen. Und auch in dem sonst unerreichbaren fremden Zuhause müssen die Holzzerstörer das Holz schon fressen, wenn sie weiter leben wollen.

Die zwangsweise Eingeschleppten werden in unseren Breiten jedoch nicht gleich heimisch. Meist ist es z.B. das Klima oder die entgegengesetzten Jahreszeiten auf Nord- und Südhalbkugel, die nicht passen.

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Die „Hamburger Gerichts-Termiten“

Schon als Urgestein unter den Insekten-Einwanderern in Deutschland könnten die „Hamburger Gerichts-Termiten“ gelten. Es handelt sich um die nordamerikanische Termitenart Reticulitermes flavipes , die etwa um 1930 vermutlich mit Ballasthölzern in die Hansestadt kam. Das „Transportholz“ wurde wahrscheinlich – dem hanseatischen Geschäftssinn entsprechend – umgehend als günstiges Konstruktionsholz am Bau verhökert.

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Termiten – europäische Erdtermiten (Bodentermiten) der Gattung Reticulitermes (Rhinotermididae)
Trockenholztermiten – Praxisfall

1937 berichtete als Weidner als erster über die Hamburger „Bodentermiten“. Einmal eingeschleppt, hatte sich diese Erdtermitenart in einem etwa 5 ha großen Bereich des Allgemeinen Krankenhauses in Hamburg-Altona breit gemacht. Ein weiterer Befalls- bzw. Verdachtsbereich über eine Fläche von etwa 50 ha befand sich Hamburg-Mitte. Der Befall, seine Verbreitung und seine Überdauerung in den kalten Jahreszeiten wurde durch die jeweils dort vorhandene Systeme von Heizrohrleitungen im Erdreich begünstigt. So fanden die Erdtermiten ein ganzjahreszeitlich temperaturstabilen Überlebensraum vor, der ihren Lebensbedingungen auch im Winter entsprach. Noch heute gibt es ein aktives (Rest-)Vorkommen im Hamburger Gerichtsviertel, dem Justizquartier in Hamburg-Mitte, auch hier stark an die Fernheizkanäle gebunden.

Gipfel des Vernichtungswerkes der Erdtermiten war vor einer der letzteren Bekämpfungsaktionen nach 1945 die Aufzehrung historischer Bestandspläne der Gerichtsgebäude im dortigen (unbewachten) Kellerarchiv. Das Fehlen der Pläne behinderte die Bekämpfung ungemein. Dank des eisernen Sparwillens eines jeden Hamburger Senats besteht aber auch heute noch ein (Rest-)Vorkommen im Erdreich um die Heizkanäle der Fernheizung im Gerichtsviertel. Ein Schelm, wer da glaubt, für die Termiten gäbe es möglicherweise dort noch andere, pikantere Akten zu vernaschen.

 

Noch immer aktiv, die „Hamburger Gerichts-Termite“ nordamerikanischer Herkunft, Reticulitermes flavipes. Mit Hilfe der Fernheizung schaffte sie es, mehr als 70 Jahre zu überdauern. Links: ein Soldat. Rechts: ein Arbeiter. Fotos: Rüpke

 

Ein Teil der Termitenbrut wird in einem klimatisierten Kellerraum der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft in Hamburg-Bergedorf zu Forschungs- und Lehrzwecken gehütet und weitergezüchtet.

In anderen Fällen, wo Erdtermitenarten nach Deutschland verschleppt wurden, haben sie aufgrund der Temperaturen nicht überdauert. Die öfters eingeschleppten Trockenholztermiten der Art Cyppototermes brevis können in Deutschland dagegen eher überdauern. Sie entwickeln sich aber dann sehr langsam.

 

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Holzbewohner und Vorratsschädlinge

Der Gemeine Mehlkäfer, Tenebrio molitor (Linnaeus 1758) , in der Farbe meist oben schwarzbraun unten rotbraun, 12-18 mm lang

Zu beachten ist, dass es auch Insekten gibt, die zwar im aber nicht vom Holz leben, darunter auch manche Vorratsschädlinge.

Ein Vertreter davon (links im Bild) ist derGemeine Mehlkäfer , Tenebrio molitor (Linnaeus 1758), der ein räuberisches Dasein führt und auch gern den Hausbocklarven nachsteigt. So findet man ihn wohl zuweilen auch im Holz. Die Larven kennt jeder, der einem Angler schon mal zugeschaut hat: es sind seine beliebten Köder.

Der Brotkäfer , Stegobuium paniceum (Linnaeus 1761) und der Tabakkäfer , Lasioderma serricorne (Fabricius 1792) gehören zu den Nagekäfern (Anobiidae), sind aber reine Vorratsschädlinge, die Holz nicht zerstören. Auf den ersten Blick kommt es nicht selten zu Verwechslungen mit den anderen (ähnlich aussehenden) Nagekäfern.

Speckkäfer, Teppichkäfer oder Brotkäfer (übrigens kaum gesundheitlich schädlich, nur Lästlinge) werden oft mit Trockenfutter oder sogenannten „Pellets“ ( Unsere erste Frage: ist ein Tier im Haus? ), in Trockenlebensmitteln (z.B. Nudeln) und z.B. bei Jägern mit getrockneten Beutefellen eingebracht.

Nach baulichen Veränderungen in landwirtschaftlichen Gebäuden z.B. zu Wohnzwecken kommt es häufig nach Fertigstellung und Bezug zu einer starken Vermehrung durch Vorratsschädlinge. Diese ist meistens einmalig und kann mit Staubsauger, Besen und Kehrblech beseitigt werden. Oft führt es aber zu umfangreichen, belastenden, aber eigentlich unnötigen Bekämpfungsmaßnahmen.

In sehr alten Gebäuden mit vorangegangener landwirtschaftlicher Vorratshaltung kommt es durch den Messingkäfer beizeiten zu einer Massenvermehrung. Die Larven leben in den Fehlböden und Hohlwänden und leben von dort eingelagertem Getreide und toten Insekten. Die statisch gesehen harmlosen Holzschäden rühren dann von den relativ kurzen Gängen her, die sie zur Verpuppung im Konstruktionsholz angelegt haben.

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Die spinnen, die Briten

Viele Briten in Angst – Handgroße Spinnen erobern die Wohnungen

Draußen ist es ungemütlich, warum also nicht ein trockenes Plätzchen suchen? In Großbritannien fallen teils beängstigend große Spinnen in Wohnungen ein und ängstigen die Bewohner.

In Großbritannien verirren sich derzeit vermehrt gigantische Spinnen in Häuser. Experten warnen bereits davor, dass dieses Jahr rekordverdächtige Mengen an Spinnen in Wohnungen einfallen werden. Die Tiere steuern Häuser an, um innen einen trockenen Platz zum Paaren zu suchen, weil der Sommer feuchter und milder als sonst ausgefallen ist.

Die Spinnen, die bis zu zwölf Zentimeter groß werden können, erobern Badezimmer, Wohnzimmer, Küchen und Schlafzimmer. Verschreckte Bewohner haben zahlreiche Fotos von den haarigen Achtbeinern in sozialen Netzwerken hochgeladen. Besonders auf Twitter überbieten sich Betroffene unter dem Hashtag #giantspiders jeden Tag mit Bildern von immer größeren Spinnen, die in ihre Häuser eingedrungen sind.

Dabei tun die Tiere, bei denen es sich um gewöhnliche Gemeine Hauswinkelspinnen handelt, niemandem etwas. „Es ist Paarungszeit. Männchen verlassen ihre Netze auf der Suche nach einer weiblichen Spinne. Also gehen sie auf eine kleine Reise, um Liebe zu finden“, sagte der Spinnenexperte Stuart Hine vom Natural History Museum in London der BBC.

Fledermäuse – Vier Arten vom Aussterben bedroht

 

 

Nützliche Parasiten zur Mottenbekämpfung: Schlupfwespen

Die Schlupfwespe oder Trichogramma evanescens ist ein hilfreiches, biologisches Mittel zur Schädlingsbekämpfung gegen Lebensmittelmotten und Kleidermotten. Schlupfwespen helfen sowohl bei Kleidermotten- als auch bei Lebensmittelmotten-Befall. Sie sind Endoparasiten, das heißt sie ernähren sich im Larvenstadium parasitisch: Die Trichogramma evanescens legt ihre Eier in vorhandene Motteneier, die darin heranwachsenden Larven fressen das Ei von innen. Der Geruchssinn der Schlupfwespe ist sensationell, so dass auch die verstecktesten Motteneier aufgefunden werden.

Effektiv Motten beseitigen mit Schlupfwespen

Zur Bekämpfung von Kleider- oder Lebensmittelmotten erhält der Kunde etwa vier bis sechs Mal in zwei- bis dreiwöchigem Abstand einen Satz Kärtchen, auf denen sich Tausende bereits mit Schlupfwespenlarven parasitierte Motteneier in verschiedenen Reifestadien befinden. Diese Kärtchen werden in den befallenen Bereichen in Kleiderschrank, Küche und/oder Vorratskammer ausgelegt. Durch die unterschiedlichen Reifestadien schlüpfen nun regelmäßig Schlupfwespen, die nach und nach alle vorhandenen Motteneier vernichten. Sobald keine Motteneier mehr vorhanden sind, können sich auch die Schlupfwespen nicht mehr fortpflanzen und verschwinden binnen kürzester Zeit.

Schlupfwespen bleiben nur so lange, bis keine Motteneier mehr da sind

Ihr kurzer Lebenszyklus sorgt dafür, dass die Schlupfwespe nicht lange in Küche, Vorratskammer oder Kleiderschrank ansässig bleibt. Danach wird sie zu Hausstaub und ist leicht mit der üblichen Unterhaltsreinigung zu entfernen. Sichtbar ist sie sowieso kaum: Mit einer Größe von nur 0,4 mm sind Schlupfwespen mit dem bloßen Auge fast nicht zu erkennen. Trotz ihres Namens fliegt die Schlupfwespe nur selten.

Die Bekämpfung von Lebensmittelmotten und Kleidermotten mit Trichogramma evanescens findet effektiv und natürlich sowie ohne Rückstände und großen Aufwand statt.

Allerdings sollte immer eine Inspektion der gelagerten Lebensmittel oder auch Kleider vorab stattfinden. Die Larven der Motten zerstören und können für Schimmelbildung sorgen, der dann gesundheitschädlich werden kann. Lassen Sie sich vom Fachmann beraten, bevor Sie sich entscheiden.

Teppichkäfer

Anthrenus scrophulariae

Der Teppichkäfer (Anthrenus scrophulariae) hat eine mehr oder weniger ovale Körperform und wird 3 bis 4 mm lang. Entlang der Flügelnaht erstreckt sich ein breiter Bereich aus rötlichen Schuppen.
Teppichkäfer
Die Halsschildecken sind weiß gefärbt. Der dazwischen liegende Bereich ist schwarz. Auf den überwiegend dunkel gefärbten Deckflügeln befinden sich 3 helle, wellenförmige Querbinden. Die Larven werden bis zu 5 mm lang und sind schwarzbraun behaart. Am Körperende besitzen die Larven sog. Pfeilhaare, die lang ausgezogene Spitzen aufweisen und leicht abbrechen können. Bei manchen Menschen können speziell diese Haare Allergien auslösen. In der Natur gehören Teppichkäfer zu den Tierarten, die mithelfen mumifizierte Kadaver mit Fell zu beseitigen. Sobald sie aber im Siedlungsbereich des Menschen auftauchen müssen sie als Material- und Hygieneschädlinge bezeichnet werden. Während die Käfer Blütenbesucher sind und ausschließlich Nektar und Pollen fressen, ernähren sich die Larven hauptsächlich von dem Protein Keratin, welches u. a. in Haaren und Federn vorkommt. Es sind daher die Larven, die u. a. Schäden an Wolltextilien, Teppichen oder Pelzen verursachen können. Der Teppichkäfer kommt überwiegend in Häusern vor. Nach dem Schlupf verlassen die Käfer das Haus und suchen zur Nahrungsaufnahme Blüten auf. Hierbei treffen auch Männchen und Weibchen aufeinander. Die begatteten Weibchen kehren in Häuser und Wohnungen zurück, wo sie in den Monaten Mai und Juni Eier ablegen. 75 % der Larven entwickeln sich bis zum Herbst zu Käfern, die aber ihre Puppenwiege erst nach einer Ruhephase von bis zu 6 Monaten verlassen. Somit schlüpfen die Käfer erst im darauf folgenden Frühjahr. Die Lebenserwartung der Käfer beträgt rund einen Monat. Die Larven werden häufig im Bettkasten oder in Kleiderschränken gefunden, wo sie sich von den dort aufbewahrten Textilien ernähren. In befallener Kleidung hinterlassen sie unregelmäßige Löcher. Das Fraßbild ähnelt somit dem Schadbild von Kleidermotten. Allerdings fehlen die für einen Kleidermottenbefall typischen Gespinste. Im Gegensatz zu Pelzkäfern, die bei Pelzen an den Haarwurzeln fressen, greifen die Larven des Teppichkäfers hauptsächlich die Haarspitzen an. Eine Bekämpfung kann mit Kontaktinsektiziden oder giftfreien Präparaten erfolgen, die in den Versteckplätzen der Larven ausgebracht werden müssen. Teppiche, Felle, Pelze, Textilien oder Tierpräparate, die von Teppichkäfern befallen sind, können auch erhitzt werden, um die Larven abzutöten. Hierbei muss für mehrere Stunden eine Temperatur von 60°C aufrechterhalten werden. Zur direkten Bekämpfung im Haushalt können verschiedene pulverförmige Kontaktinsektizide oder Sprühpräparate wie z. B. Pyrethroide eingesetzt werden, die in den Schlupfwinkeln der Larven ausgebracht werden. Zur Vorbeugung gegen einen Befall mit dem Teppichkäfer können verschiedene Produkte eingesetzt werden, die ätherische Öle abgeben und dadurch die Schadinsekten vertreiben. Leider nicht zu 100 pro Zent. Die Baumwollbeutel sind mit 100% reinen Lavendelblüten gefüllt. Der natürliche Duft der Blüten vertreibt Textilschädlinge, wodurch alle Arten von Textilien vor Schädlingsbefall geschützt werden. Ebenfalls prophylaktisch lassen sich AeroxonZedernholz-Ringe einsetzen. Das unbehandelte, rote Zedernholz enthält natürliches Zedernholzöl, das kontinuierlich in die Raumluft abgegeben wird. Zur direkten Bekämpfung der Käfer können Kontaktinsektizide oder Diatomeenerde eingesetzt werden, die direkt in die Verstecke der Käferlarven ausgebracht werden müssen. Um Teppichkäfer sicher nachweisen zu können, wird empfohlen die bewährte Klebefallenset zu verwenden. Die Käfer bleiben auf der Klebefläche haften und können dann leicht bestimmt werden. Eine direkte Bekämpfung der Käfer ist beispielsweise mit dem Präparat Killgerid Gold möglich. Der Wirkstoff – fossiles Plankton – beschädigt die Wachsschicht auf der Körperoberfläche der Käfer und führt auf diese Weise zu einem Austrocknen der Insekten. Der Einsatz des Präparates ist für Menschen und Haustiere vollkommen ungefährlich; kann aber wie bei allen Wirkstoffen, die eingesetzt werden zu Reaktionen führen, die zwar nicht unbedingt gefährlich, aber unangenehm sein können.  Lassen Sie sich daher vorher eingehend beraten.

Wer trägt eigentlich die Kosten für eine professionelle Bekämpfung

Eine Fallstudie
Träger der Kosten für den Kammerjäger
Nicht nur für Wohnungs- und Hausverwalter, sondern auch für die Eigentümer und Mieter privater und gewerblicher Immobilien ist es wichtig, den Wohnwert und den Substanzerhalt des Objektes sicherzustellen. Nisten sich in einem Objekt plötzlich unerwünschte Mitbewohner ein und es tritt ein Ratten- und Mäuseproblem auf oder Flöhe, Käfer, Wanzen, Wespen und Motten stören den Hausfrieden, wird die Geduld der Eigentümer und Mieter ebenso auf eine harte Probe gestellt wie das Verhältnis dieser beiden Parteien zueinander. In der Regel erwarten Mieter ein schädlingsfreies Wohn- und Arbeitsumfeld. Ist dieses nicht mehr vorhanden, drohen dem Vermieter Mietminderungen, denn – folgt man der deutschen Rechtsprechung – Schädlingsbefall und dessen Folgen gelten als ernsthafter Wohnmangel.

Merkliste
Zwischen diesen Fällen werden unterschieden
einmalige Kosten → Kostenträger: Vermieter, seltener Fälle Mieter
Beispiel: „klassischer“ Schädlingsbefall
wiederkehrende Kosten → Kostenträger: Vermieter, Umlage auf Mieter
Beispiel: präventive, prophylaktische Maßnahmen
Typischen Schädlingsbefall trägt fast immer der Vermieter

Dabei ist es nicht zulässig, dass der Hauseigentümer beziehungsweise der Vermieter die Kosten einer akuten, einmaligen Schädlingsbekämpfungsaktion auf die Mietparteien umlegt, denn dabei handelt es sich nicht um Betriebskosten (LG München 2001). Grundsätzlich ist es dem Vermieter nur dann erlaubt, die Kosten für eine Schädlingsbekämpfung vom Mieter zu fordern, wenn er glaubhaft darlegen und beweisen kann, dass die Verursachung des Schädlingsbefalls alleinig dem Mieter zukommt. Behauptet der Vermieter beispielsweise, das Mietobjekt befand sich in einem unreinen Zustand und diesauch unter Beweis stellt, sei hieraus lediglich der Schluss zulässig, dass der Mieter den idealen Lebensraum für Schädlinge und Ungeziefer geschaffen habe. Die Tatsache, dass hierdurch de facto auch der Schädlingsbefall eintrat, folge jedoch nicht logisch aus der Verschmutzung des gemieteten Objekts, denn vice versa nicht jedes verschmutzte Objekt ist auch von Schädlingen befallen (LG München 2000). Des Weiteren gilt: Ist es nicht möglich, die Ursache des bestehenden Schädlingsbefalls zweifelsfrei zu klären, hat der Vermieter die Kosten zu tragen.

Regelmäßige Kosten können auf Mieter umgelegt werden

Vom Hauseigentümer beziehungsweise Vermieter dürfen entsprechend nur diejenigen Kosten auf die Mieter umgelegt werden, die einer regelmäßigen und damit laufenden Schädlingsbekämpfung dienen. Darüber hinaus muss es sich bei diesen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen um prophylaktische handeln, denn die entstehenden Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen sich bereits im Objekt befindender Schädlinge obliegen alleinig dem Vermieter. Begründet wird dies damit, dass es sich bei Selbigen um Mangelbeseitigungs- bzw. Instandhaltungsmaßnahmen handelt (AG Hamburg 2001). Eine andere Auffassung hierzu vertritt jedoch das AG Offenbach, dass in einem Urteil aus dem Jahr 2001 auch die Kosten für eine einmalige Schädlingsbekämpfung in Form von Betriebskosten als auf den Mieter umlagefähig erachtet.

Fazit:

Bei Aufwendungen zur Schädlingsbekämpfung wird zwischen einmaligen und regelmäßig wiederkehrenden Kosten differenziert. Laufende Kosten für Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen zu Präventionszwecken können vom Vermieter auf den Vermieter über die Betriebskosten umgelegt werden. Einmalige Kosten für akute Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen wie sie beispielsweise bei einem Mäuse- oder Rattenbefall sowie der Entfernung eines Termitennestes entstehen, muss in der Regel der Hauseigentümer bzw. der Vermieter tragen, da sie als Mängelbeseitigungs-bzw. Instandhaltungsmaßnahmen gelten. Dafür muss der betroffene Mieter jedoch:

den Schädlingsbefall nicht begünstigt oder gar selbst hervorgerufen und
den Schädlingsbefall unverzüglich dem Vermieter angezeigt haben.

Taubenfütterungsverbot per Polizeiverordnung

Ein Taubenfütterungsverbot ist geeignet, den Bestand an Tauben in einem Stadtgebiet zu verringern und ihre Anzahl auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren. Hierdurch wird den durch die große Anzahl von Stadttauben für die Bevölkerung bestehenden Gesundheitsgefahren und der Verunreinigung sowie Beschädigung von Bauwerken und Denkmälern durch Taubenkot entgegengewirkt.

Die verfügte Untersagung der Taubenfütterung beruht auf der polizeirechtlichen Generalklausel. Hiernach hat die Polizei die Aufgabe, von dem einzelnen und dem Gemeinwesen Gefahren abzuwehren, durch die die öffentliche Sicherheit oder Ordnung bedroht wird, und Störungen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu beseitigen, soweit es im öffentlichen Interesse geboten ist (§ 1 Abs. 1 Satz 1 PolG). Dabei hat die Polizei zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben diejenigen Maßnahmen zu treffen, die ihr nach pflichtgemäßem Ermessen erforderlich erscheinen (§ 3 PolG). Die tatbestandlichen Voraussetzungen für ein Einschreiten der beklagten Stadt als Ortspolizeibehörde und damit als zuständige Behörde (§ 62 Abs. 4, § 66 Abs. 2 PolG) wegen einer Störung der öffentlichen Sicherheit sind gegeben. Zur öffentlichen Sicherheit gehören sowohl die Individualrechtsgüter Leben, Gesundheit, Ehre, Freiheit, Eigentum und Vermögen der Bürger, die Unverletzlichkeit des Staates, seiner Einrichtungen und Veranstaltungen als auch die objektive Rechtsordnung1. Die öffentliche Sicherheit wird verletzt, weil die Klägerin gegen Vorschriften der Polizeiverordnung der beklagten Stadt zur Abwehr der von verwilderten Haustauben, Wildtauben, Enten und Schwänen ausgehenden Gesundheitsgefahren (im Folgenden: PolVO) vom 06.03.1997 in der Fassung der Änderungsverordnung vom 10.10.2002 verstößt. Nach § 1 Abs. 1 PolVO dürfen im Stadtgebiet der beklagten Stadt verwilderte Haustauben und Wildtauben nicht gefüttert werden (Satz 1). Auch darf kein Futter, das zum Füttern von verwilderten Haustauben und Wildtauben bestimmt ist, ausgelegt werden (Satz 2). Futter für andere Vögel ist so auszulegen, dass es von verwilderten Haustauben und Wildtauben nicht erreicht werden kann (Satz 3).

Die Polizeiverordnung der beklagten Stadt, gegen deren formelle Rechtmäßigkeit weder von der Klägerin Einwendungen vorgebracht worden noch sonst ersichtlich sind, ist in den hier einschlägigen Bestimmungen auch materiell-rechtlich nicht zu beanstanden:

Die Polizeiverordnung ist nicht wegen Zeitablaufs außer Kraft getreten. Sie tritt spätestens zwanzig Jahre nach ihrem Inkrafttreten außer Kraft (§ 17 Abs. 1 PolG), also erst im Jahre 2017.

Nach § 10 Abs. 1 in Verbindung mit § 1 Abs. 1 PolG darf eine Polizeiverordnung erlassen werden, wenn in typischen Fällen aus bestimmten Arten von Handlungen oder Zuständen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung entstehen können2.

Die Ermächtigungsgrundlage des § 10 Abs. 1 PolG wird nicht durch spezialgesetzliche Vorschriften, etwa des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) vom 20.07.20003, verdrängt. Eine Sperrwirkung für die lediglich subsidiäre Verordnungsermächtigung des allgemeinen Polizeirechts entfalten die Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes nur, soweit eine Rechtsvorschrift allein den Zweck verfolgt, die Bevölkerung vor übertragbaren Krankheiten im Sinne von § 2 Nr. 3 IfSG zu schützen. Dies ist hier nicht der Fall. Soweit das Taubenfütterungsverbot den Gesundheitsschutz im Auge hat, dient es auch der Verhinderung von Gesundheitsgefahren, die nicht von übertragbaren Krankheiten im Sinne des Infektionsschutzgesetzes ausgehen4. Der hier maßgebenden Polizeiverordnung vom 06.03.1997 liegt wiederum wie bereits den früheren entsprechenden Verordnungen der beklagten Stadt die Erwägung zugrunde, mit dem Taubenfütterungsverbot auch Gesundheitsgefahren zu verhindern, die nicht von übertragbaren Krankheiten im Sinne des Infektionsschutzgesetzes ausgehen5.Das Taubenfütterungsverbot bezweckt – neben anderen ergriffenen Maßnahmen – eine Verringerung des Bestands an Stadttauben und die Stabilisierung ihrer Anzahl auf einem niedrigeren Niveau. Dieses Ziel, das auch von Tierschutzorganisationen im Interesse der Verbesserung der Lebensbedingungen der Tauben durch Vermeidung des mit einer Überpopulation verbundenen Dichtestresses vielfach anerkannt wird6, dient der Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit7.

Erklärtes Ziel der Verringerung des Bestandes der Stadttauben ist die Eindämmung der Verschmutzung insbesondere durch Taubenkot. Eine Taube verursacht pro Jahr 10 bis 12 kg Nasskot, was ca. 2, 5 kg Trockenkot entspricht8. Hierdurch werden Schäden an Gebäuden verursacht; es entstehen auch Reinigungskosten. Das streitgegenständliche Verbot dient daher auch dem Schutz des Eigentums Privater und der öffentlichen Hand9. Auch die Erhaltung und Verbesserung der Reinlichkeit des öffentlichen Raums fällt unter das Schutzgut der öffentlichen Sicherheit10. Die Verbesserung der Reinlichkeit dient auch dazu, Gefahren für die Gesundheit, die nicht vom Anwendungsbereich des Infektionsschutzgesetzes erfasst sind, entgegen zu wirken. Hierzu zählen – insbesondere bei immundefizienten Personengruppen wie Kindern, alten Menschen und Kranken – neben allergischen Reaktionen beim Einatmen von Feder- oder Kotstaub auch starke Gesundheitsbelastungen sowie Allergien, die durch von Tauben verbreitete Parasiten wie der Taubenzecke und der Vogelmilbe hervorgerufen werden können11. Von diesen Gefahren ist nach wie vor auszugehen. Die nachgewiesenen humanpathogenen Krankheitserreger haben sich in den letzten Jahren sogar noch erhöht. Bis 2006 wurden 89 solcher Erreger nachgewiesen, davon sieben Viren, 32 Bakterien, 46 Pilze und vier Protozoen12. Im Jahr 2012 waren es bereits 111 verschiedene humanpathogene Krankheitserreger13.

Das Taubenfütterungsverbot ist zur Regulierung der Taubenpopulation auch geeignet. Nach gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen hat das vorhandene Nahrungsangebot maßgeblichen Einfluss auf die Größe eines Taubenbestandes. Eine Verringerung des Nahrungsangebots führt zu einem Rückgang der Nachkommensrate über eine Reduktion der Brutpaare, die ihren Flugradius zur Nahrungsbeschaffung vergrößern müssen und wegen des dafür erhöhten Zeit- und Energieaufwands in geringerem Umfang brüten. Vor diesem Hintergrund ist nahezu allgemein anerkannt, dass die dauerhafte Verringerung des Nahrungsangebots durch ein generelles Fütterungsverbot das aus wissenschaftlicher Sicht erfolgversprechendste Verfahren darstellt, auch wenn seine Durchsetzung unter Praxisbedingungen auf Schwierigkeiten trifft14. Im Übrigen beschränkt sich die beklagte Stadt – anders als in früheren Jahren – nicht auf das Fütterungsverbot, sondern verfolgt zusammen mit dem örtlichen Tierschutzverein und der Caritas seit 2008 die Schaffung von Taubenschlägen, wovon bis 2013 sechs errichtet worden sind.

Entgegen der Auffassung der Klägerin kann gegen das Taubenfütterungsverbot nicht mit Erfolg das Gebot des Tierschutzes (Art.20 a GG) eingewandt werden. Nach der seit dem 01.08.2002 geltenden Fassung dieser Norm durch das Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 26.07.200215 schützt der Staat auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung. Die Staatszielbestimmung des Tierschutzes verleiht keine subjektiven Rechte16. Mit der Einfügung des Tierschutzes in das Grundgesetz ist ein absoluter Schutz der Tiere nicht verbunden. Es soll nur ein „ethisches Mindestmaß“ sichergestellt werden, wonach die Tiere in ihrer Mitgeschöpflichkeit zu achten und ihnen vermeidbare Leiden zu ersparen sind. Dies gebietet, Leben und Wohlbefinden des Tieres zu schützen (§ 1 Satz 1 TierSchG), und fordert insbesondere, dass niemand einem Tier „ohne vernünftigen Grund“ Schmerzen, Leiden und Schäden zufügen darf (§ 1 Satz 2 TierSchG). Das Taubenfütterungsverbot wahrt die Mindestanforderungen des ethischen Tierschutzes. Zur Konkretisierung des tierschutzrechtlichen Grundanliegens, Tieren vermeidbare Leiden zu ersparen, ist darauf abzustellen, ob die Leiden nach Maßgabe des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit durch einen „vernünftigen Grund“ zu rechtfertigen sind17. Das ist hier angesichts der mit dem Taubenfütterungsverbot verfolgten Zwecke zu bejahen. Dies gilt auch in Bezug auf die Erforderlichkeit des Taubenfütterungsverbots für die angestrebte Bestandsreduzierung und -kontrolle18. Zwar beeinträchtigt das von der beklagten Stadt seit einigen Jahren zusammen mit dem örtlichen Tierschutzverein und der Caritas begonnene Konzept von Taubenhäusern mit Gelegeaustausch und kontrollierter Fütterung das Schutzinteresse der Tiere weniger. Zur Überzeugung der Verwaltungsgericht verspricht es aber nicht den gleichen Erfolg. Angesichts der geschätzten Anzahl von 20000 bis 30000 Stadttauben in … reichen die bis jetzt lediglich errichteten sechs Taubenschläge, in denen bis Ende 2013 6900 Eier ausgetauscht wurden19, bei weitem nicht aus, um die Taubenpopulation zu reduzieren. Geht man von einer Kapazität von 100 Taubenplätze pro Taubenschlag aus20, müssten in … bis zu 300 Taubenschläge errichtet werden.

 

Das in der Polizeiverordnung der beklagten Stadt normierte Taubenfütterungsverbot verstößt auch nicht gegen Grundrechte der Klägerin. Sie kann sich nicht mit Erfolg auf eine Verletzung der in Art. 2 Abs. 1 GG normierten allgemeinen Handlungsfreiheit berufen. Das zur Bestandsregulierung von Stadttauben geeignete Fütterungsverbot stellt nur einen sehr begrenzten Eingriff in die grundrechtlich geschützte Freiheitssphäre dar, der durch das überwiegende Interesse der Allgemeinheit gerechtfertigt wird. Es ist Teil der verfassungsmäßigen Ordnung, die die grundrechtliche Freiheit beschränkt18. Der Klägerin steht ferner nicht das Grundrecht der Gewissensfreiheit zur Seite (Art. 4 Abs. 1 GG). Die individuelle Überzeugung ist nicht Maßstab der Gültigkeit genereller Normen21. Die Klägerin ist bezüglich ihres Gewissenskonflikts auf Alternativen zu ihrem bisherigen Verhalten zu verweisen. So könnte sie sich etwa in die Betreuung von Taubenschlägen im Rahmen des … Stadttauben-Projekts einbringen.Das der beklagten Stadt nach den §§ 1 und 3 PolG eingeräumte Ermessen wurde rechtsfehlerfrei ausgeübt. Im Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung liegen in den persönlichen Verhältnissen der Klägerin, auch unter Berücksichtigung ihres Umzugs im August 2013 vom bisherigen Wohngebiet am … in die … Innenstadt, keine veränderten Umstände vor, die Anlass zu ergänzenden Ermessenserwägungen oder einer anderen Gewichtung der widerstreitenden Belange geben würden. Seit der Klageerhebung hat die beklagte Stadt gegen die Klägerin wegen Verstößen gegen das Taubenfütterungsverbot zwei inzwischen rechtskräftige Bußgeldbescheide erlassen. Soweit die beklagte Stadt wegen eines erneuten Verstoßes gegen das Fütterungsverbot ein weiteres Bußgeld gegen die Klägerin verhängt hat, ist dieser Bußgeldbescheid noch nicht rechtskräftig. Schließlich widerspiegeln auch die Äußerungen der Klägerin in der mündlichen Verhandlung zur Überzeugung der Verwaltungsgericht, dass sie eine „unverbesserliche“ Taubenfüttererin ist. Soweit sie vorgibt, Tauben nur gefüttert zu haben, um kranke Tauben einfangen zu können, widersprechen dem die Feststellungen der beklagten Stadt, wonach etwa am 10.03.2011 von der Klägerin Körnerfutter in großen Mengen ausgestreut wurde.

Gegen die weiteren Regelungen im Bescheid der beklagten Stadt vom 13.04.2011 – Androhung eines Zwangsgelds in Höhe von jeweils 150, 00 EUR und Festsetzung einer Verwaltungsgebühr in Höhe von 110, 00 EUR – sind Rechtsfehler von der Klägerin weder geltend gemacht worden noch sonst ersichtlich. Bezüglich der Zwangsgeldandrohung wird ergänzend auf die Ausführungen im Beschluss des Verwaltungsgerichts vom 21.09.201122 im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes verwiesen.

Die von der Klage wegen des Anfechtungsverbundes (§ 24 Satz 2 LGebG) auch erfasste Gebühr im Widerspruchsbescheid des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10.01.2012 in Höhe von 100, 00 EUR – hiergegen hat die Klägerin auch nichts eingewandt – begegnet gleichfalls keinen rechtlichen Bedenken.

Verwaltungsgericht Stuttgart, Urteil vom 27. Mai 2014 – 5 K 433/12

Auch wir befassen uns mit dem Thema Taubenvergrämung von verwilderten Stadttauben und bieten Lösungen an.

Ratten sind auf dem Vormarsch, seien Sie auf der Hut

MILDER WINTER BESCHERT DEUTSCHLAND EINE RATTENPLAGE
So lautet die Überschrift eines interessanten Artikels der Zeitung „Die Welt“.

Auch hier wird wieder darauf hingewiesen, dass Ratten gegen viele Gifte bereits resistent sind und hochgiftige Köder nur von Profis eingesetzt werden düfen. Ratten bekämpfen wird immer schwieriger und sollte daher wirklich von einem dafür ausgebildeten Schädlingsbekämpfer übernommen werden. – Wir stehen für weitere Informationen jederzeit gerne telefonisch oder über unser Kontaktformular zur Verfügung.

Die pelzigen Nagetiere machen den Bewohnern das Leben schwer

Lassen Sie den Ratten keine einfache Möglichkeit an Futter zu gelangen, Verschließen Sie Maueröffnungen, Türspalte und achten Sie darauf, dass Sie alles in Ihrem Umfeld im Blick haben. Ratten lieben Verstecke und werden auch durch Müll magisch angezogen. Kellerfenster stets mit Maschendraht sichern, sollten Sie die Fenster geöffnet lassen. Selbst im sechsten Stock eines Wohnhauses haben wir in diesem Jahr schon auf dem Balkon Rattenspuren entdeckt. Sie klettern am Fallrohr hoch, springen bis zu 2m weit und haben ein Balancegefühl, da würde jeder Zirkusartist neidisch werden….. Entdecken Sie Ratten, die in die Kanalisation verschwinden, verständigen Sie Ihr Ordnungsamt. Ratten müssen nach Bundeseuchengesetz bekämpft werden, nicht nur zwei mal im Jahr, wie es die Kommunen verbreitet durchführen, u.a. aufgrund des knappen Budgets.

Feuerwanzen

Deutsche Bezeichnungen: Gemeine Feuerwanze. In Berlin: Feuerkäfer.

Wissenschaftlicher Name: Pyrrhocoris apterus (Linnaeus, 1758)

 

 

 

 

Verbreitung: Gemäßigte Teile Europas und Asiens.

Merkmale: Durch ihre rot-schwarze Färbung sind Feuerwanzen leicht zu erkennen. Der Kopf ist stets schwarz, die Flügel stets rot, mit jederseits vorne einem dreieckigen und hinten einem mehr oder weniger rundlichem schwarzen Fleck.

Die Flügel sind meistens verkürzt, sehr selten treten auch voll geflügelte Exemplare auf.

Ähnliche Arten: Im Stadtbereich ist die Feuerwanze eigentlich unverwechselbar.

Gefahren: Feuerwanzen sind unschädlich, werden aber oft wegen des nicht selten massenhaften Auftretens als lästig empfunden.

Hinweise auf Befall: Feuerwanzen sieht man am hellichten Tag frei an Bäumen und Mauern umher laufen.

Drohneneinsatz in der Landwirtschaft gegen Schädlinge

Vor knapp zwei Monaten waren mit Hilfe einer Drohne Kügelchen mit den Eiern von Schlupfwespen, einem natürlichen Feind des Maiszünslers, ausgebracht worden. Auf diese Weise sollte der Schädlingsbefall ganz ohne chemische Keule zumindest eingedämmt werden. Jetzt begutachteten Bereuther und zwei Mitarbeiter der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) aus Jena das Ergebnis.

Anlass für das Experiment waren die massiven Probleme mit dem Maiszünsler im vergangenen Jahr. Doch auch in diesem Jahr macht der Schädling den Bauern wieder schwer zu schaffen. „Es gibt überall einen überdurchschnittlich hohen Befall“, sagt Bereuther. Die Larven des Zünslers bohren sich in die Pflanze und fressen sich in den Kolben, vor allem aber durch den Stängel hinab. Die so geschädigte Pflanze wird geschwächt und knickt schließlich um. Auch wird sie anfällig für Pilzbefall. Die Maispflanzen, die bei der Agrofarm auf insgesamt 270 Hektar vor allem für Futterzwecke angebaut werden, taugen dann nicht mehr zur Verarbeitung zu Silomais.

Zwar lässt sich der Maiszünsler mit chemischen Mitteln ganz gut bekämpfen, aber diesen Weg will die Agrargenossenschaft aus Knau nicht gehen. Denn sie ist ein Demonstrationsbetrieb für integrierten Pflanzenschutz und sucht deshalb nach neuen Wegen in der Schädlingsbekämpfung. Einer davon wäre der Einsatz natürlicher Feinde von Pflanzenschädlingen wie die Schlupfwespen. Sie befallen als Parasit die Eigelege des Zünslers und können so die Entwicklung der Larven weitgehend verhindern.

Eine Drohne hilft der Agrofarm Knau eG bei der biologischen Schädlingsbekämpfung auf einem Maisfeld. Exakt am Feldrand beginnt die Drohne die Kügelchen mit den Eiern der Schlupfwespe abzuwerfen. Foto: Uwe Frost

Bekämpfung mit Wespen noch kein Standard
Schlupfwespen werden vor allem in Süddeutschland schon erfolgreich eingesetzt. Doch Standard ist das Verfahren in Deutschland noch nicht. Denn die Eier müssen per Hand ausgebracht werden. Das ist auf kleinen Schlägen durchaus machbar. Auf den großen Feldflächen, wie sie die Agrofarm bewirtschaftet, ist das aber nicht praktikabel, sagt Bereuther. Deshalb testete er Ende Juli mit der Firma Rucon Engineering aus Großschwabhausen die Möglichkeit, Kügelchen mit Eiern der Schlupfwespe mit Hilfe einer Drohne auszubringen.

Eingesetzt wurde ein elektrogetriebener Oktokopter. GPS-gesteuert warf er in einem Raster von jeweils zehn mal zehn ­Metern die Kügelchen aus einer Höhe von 25 Metern ab. Rucon modifizierte für das Pilotprojekt eigens das Fluggerät und stattete es mit einem speziell angefertigten Abwurfgerät aus.

Das Ausbringen der Kügelchen klappte reibungslos. Zwar musste aller 12 Minuten der Akku gewechselt und die Drohne neu mit den Kügelchen beladen werden, doch es dauerte nur etwa zwei Stunden, um das Abwerfen zu beenden. Doch erst jetzt, kurz vor der Ernte, ließ sich prüfen, ob das Vorhaben geglückt ist.

Nur wenige Schäden an den Maiskolben
Am Donnerstag führten Bereuther und die TLL-Mitarbeiter eine so genannte Bonitur durch. So nennt man die Begutachtung von Pflanzen nach bestimmten Kriterien. In der überflogenen Fläche wurden an vier Stellen jeweils zehn direkt nebeneinander stehende Pflanzen einer Reihe untersucht. Ebenfalls vier solcher Prüfreihen gab es in einem kleineren Feldabschnitt, in dem zu Vergleichszwecken keine Schlupfwespeneier ausgebracht worden waren. Bei den insgesamt 80 Pflanzen wurden die Kolben freigelegt, die Blätter vom Stängel entfernt und die Pflanze aufgeschnitten. So konnten die Prüfer nachsehen, ob und wenn ja wo sich die Larve des Maiszünslers in Kolben oder Stängel gebohrt hatte, an welchen Stellen es Fraßschäden gab und ob in der Pflanze noch Larven enthalten waren.

Schlupfwespen aus der Drohne statt Chemie auf Maisfeld bei Tausa

Zwar müssen die Ergebnisse dieser Sichtprüfung noch mit einem Computerprogramm ausgewertet werden, doch eine Tendenz wurde für Michael Conrad, bei der TLL verantwortlich für die Technik des Pflanzenschutzes, erkennbar. Auf dem beflogenen Feld sind nach seiner Schätzung etwa 40 Prozent der Pflanzen unterhalb des Maiskolbens vom Zünsler befallen, in den Maiskolben selbst waren dagegen so gut wie keine Schäden zu verzeichnen. „Das ist genau das, was wir wollen“, sagte dazu Bereuther. Ganz anders sah das Ergebnis auf der Vergleichsfläche aus. Hier waren die Schäden an den Kolben deutlich größer.

Bereuther und Conrad konnten auch andere Flächen in der Region zum Vergleich heranziehen. So wurde bei Niederpöllnitz Mais mit chemischen Pflanzenschutzmitteln besprüht, mit erkennbarem Erfolg: Es gab nur geringe Schäden durch die Zünslerlarven. Bei den nicht besprühten Flächen sei der Befall hingegen katastrophal, sagte Conrad.

Die Schäden bei den für die Prüfung geschnittenen Pflanzen sind sehr unterschiedlich. Bei manchen haben sich die Larven bis zum Boden durchgefressen. Das ist deshalb problematisch, weil die Larven in den Stängelgründen überwintern. Deshalb werden die Stängelreste nach der Ernte zunehmend mechanisch zerdrückt, sagt Bereuther. Allerdings müsse das großflächig geschehen, wegen der Flugreichweite der Falter bis zu 40 Kilometer, „also eigentlich flächendeckend“.

Dass die Bekämpfung mit Hilfe der Drohne offenbar nicht ganz so erfolgreich war wie erhofft, führt der Landwirt darauf zurück, dass die Eier der Schlupfwespen vielleicht zu spät ausgebracht wurden. „Es ist sehr schwierig, den besten Zeitpunkt dafür zu finden“, sagt Bereuther. Es müsse ermittelt werden, wann die weiblichen Falter ihren Flughöhepunkt haben, dann habe man höchstens eine Woche Zeit. Selbst wenn es gelingt, den richtigen Zeitpunkt zu finden, kann auch zu viel Regen nach dem Ausbringen den Erfolg verhindern oder zumindest stark beeinträchtigen.

Allerdings ist es für Bereuther gar nicht notwendig, den Befall komplett zu verhindern. Es würde genügen, wenn die biologische Bekämpfung etwa 60 bis 70 Prozent der Wirkung von chemischen Mitteln erreicht. Dann wäre die Qualität des Silomaises immer noch hoch genug, und die Agrofarm müsste nicht wie im vergangenen Jahr Grassilage und Konzentrate zufüttern.

Dennoch halten Bereuther und Conrad das Experiment nicht für gescheitert. Denn die Prüfung der Pflanzen hat gezeigt, dass die Schlupfwespen durchaus ihre Arbeit gemacht haben, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie man sich das ­gewünscht hat. Wenn es gelingt, das Verfahren zu verfeinern, ­wäre es durchaus eine umweltfreundliche Alternative zu den chemischen Bekämpfungsmethoden, sagt Conrad. Damit ­böten sich für den Öko-Landbau neue Perspektiven.